Der vorliegende Beitrag möchte illustrieren, wie sich islamische Jesusbilder in der spannungsreichen Wechselwirkung von Offenbarungswissen und religiösem Wissen konturieren. Dabei wird deutlich werden, dass die Gleichsetzung von Ersterem mit dem Koran sowie Letzterem mit jüdisch-christlichen Einflüssen rezeptionsgeschichtlich oft problematisch ist. Ausgehend von der Darstellung des koranischen Jesus soll die Analyse zweier mittelalterlicher Quellen Wege aufzeigen, mithilfe derer die Autoren versuchen, dessen komplexes Profil durch biblische Berichte und andere Traditionen zu „vervollständigen“ bzw. auszudeuten. Wie gezeigt werden soll, kommen dabei oft Vorstellungen zur Sprache, die im Konflikt mit koranischen Aussagen stehen. Inhaltlich möchte der Beitrag neben dem Ostergeschehen vor allem auch auf islamische Auffassungen zum Wesen sowie zur heilsgeschichtlichen Verortung Jesu eingehen. Thematisch lässt er sich gut als islamisch-theologischer Exkurs zu den Artikeln von Hans-Ulrich Weidemann und Hans Reinhard Seeliger lesen.

in Religiöses Wissen im vormodernen Europa