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Heldenkult, Propaganda und Erinnerungskultur
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1923 wurde der deutsche Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter wegen Sabotage gegen die französische Ruhrbesatzung erschossen; der tschechische Journalist Julius Fučík, wichtiger Vertreter des kommunistischen Widerstands im 'Reichsprotektorat Böhmen und Mähren', wurde 1943 hingerichtet. Beide Männer wurden zu nationalen Heldenikonen und beide gerieten nach dem Ende der Systeme, die ihren politischen Märtyrerkult aufgebaut und benutzt hatten, in Vergessenheit. Der Autor bringt auf einer reichen Basis deutscher und tschechischer Quellen neues Licht in die legendenumrankten Biographien Schlageters und Fučíks, die bisher kaum je zuverlässig behandelt worden sind. Auf dieser Basis bietet er eine breite Darstellung ihres Heldenkultes und analysiert, wie die Kulte um sie und andere 'nationale Märtyrer' des 20. Jahrhunderts funktionierten. Ein wichtiger Beitrag zur Kulturgeschichte und zur Erinnerungskultur Deutschlands und der ehemaligen Tschechoslowakei.
In: Fußball unterm gelben Stern
In: Fußball unterm gelben Stern
In: Fußball unterm gelben Stern
In: Deutsch-Polnische Erinnerungsorte
Die Liga im Ghetto Theresienstadt 1943–44
In der NS-Propaganda galt das Lager Theresienstadt, nördlich von Prag gelegen, als »jüdisches Siedlungsgebiet«. Tatsächlich ist es aber eine Zwischenstation zur Deportation in die Vernichtungslager gewesen. Schwer vorstellbar, aber es gab dort, im Wartesaal des Todes, über zwei Jahre eine Fußballiga auf hohem Niveau und mit großen Zuschauerzahlen.
Das von der jüdischen Selbstverwaltung im Lager organisierte Kultur- und Sportleben lässt sich nicht als eine der NS-Propaganda genehme Ablenkungsaktion abtun. Überlebende betonten immer wieder, dass Fußballspielen oder Zuschauen einen »Augenblick der Menschlichkeit« darstellte, in dem sich alle als Individuen fühlen konnten.
Der in seiner Heimat als Institution geltende Sportjournalist František Steiner (1925–2013) hat unter Mitarbeit von Zeitzeugen ein ebenso berührendes wie ermutigendes Buch über die Geschichte des Fußballs im Lager Theresienstadt verfasst. Stefan Zwicker hat es übersetzt, ausführlich erläutert, ergänzt und mit einem Kommentar in den Stand der geschichtswissenschaftlichen Forschung zum Thema eingeordnet. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie der Fußball Mut zum »Weiterleben« machen konnte, auch angesichts existentieller Bedrohung.
Band 1: Geteilt /Gemeinsam
130 Autoren, vier Bände auf Polnisch und fünf Bände auf Deutsch: Das größte gemeinsame deutsch-polnische Projekt im Bereich der Geisteswissenschaften wirft einen neuen Blick auf die nachbarschaftliche Beziehungsgeschichte beider Länder.
Was verbindet Napoleon, Rosa Luxemburg, Flucht und Vertreibung, das Jahr 1989, Solidarnos´c´ und Kreisau? Oder Preußen, die Oder-Neiße-Grenze und Russland? Es handelt sich um (einige) deutsch-polnische Erinnerungsorte.
Erinnerungsorte sind keine topographischen Orte, sondern historische Bezugspunkte der kulturellen Identität einer Gesellschaft. Dies können Personen, Ereignisse oder historische Phänomene sein. Der hier erstmals angewandte bilaterale Ansatz der Erinnerungsforschung hinter-fragt nationale Vorstellungen und entwickelt neue vergleichende Perspektiven.
Deutsche und Polen teilen viele Erinnerungen, die jedoch unterschiedlichen Identitätsbedürfnissen in beiden Gesellschaften entsprechen. Die hier vorliegenden Essays über gemeinsame und geteilte deutsch-polnische Erinnerungsorte erlauben analytische Einblicke in die Erinnerungskulturen beider Länder, in ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die deutsch-polnische Nachbarschaft bringt es mit sich, dass sich ohne die Kenntnis der polnischen Geschichte die deutsche und umgekehrt ohne die Kenntnis der deutschen die polnische Geschichte nur unvollkommen verstehen lassen.