Ausgehend von Genesis 1–3, behandelt der Beitrag das religiöse Wissen über Adam im Frankenreich des 9. Jahrhunderts. Die Eliten sahen damals die Gnade Gottes als Voraussetzung dafür, dass die Franken politisch und militärisch erfolgreich sein konnten. Um die Gnade des Allmächtigen zu verdienen, war es notwendig, dass die Menschen gottgefällig handelten; dazu wiederum war ein richtiges Wissen über Gottes Willen unabdingbar. In den Schöpfungsberichten und der Erzählung über die Vertreibung aus dem Paradies wurden aus Sicht der gelehrten Exegeten gerade hierfür zentrale Fragen angesprochen: Die Genesis bot Aufschluss über die Beschaffenheit des Menschen und das Paradies, über die Anfänge von Sünde und Buße und über den freien Willen des Menschen und Gottes Allmacht. Der Beitrag zeichnet vor diesem Hintergrund zum einen nach, was verschiedene soziale Gruppen (gelehrte hofnahe Eliten, Bischöfe, Pfarrer) jeweils über Adam wussten (oder wissen konnten). Zum anderen arbeitet er eine Reihe von Faktoren heraus, die dieses Wissen im Zuge von Transfers in Raum und Zeit veränderten: die Zusammenstellung mit anderen Texten in Form von Handbüchern, Verfahren des Auslegens, Exzerpierens und Kompilierens, aber auch der Sprachwandel vom Lateinischen zu einer frühen Sprachstufe des Romanischen – und nicht zuletzt Unklarheiten und Fehler im Zuge des handschriftlichen Kopierens.

in Religiöses Wissen im vormodernen Europa
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Schöpfung – Mutterschaft – Passion
Religion und Wissen waren im vormodernen Europa keine Gegensätze. Sie befruchteten sich vielmehr gegenseitig; und ihr komplexes Zusammenwirken hat kraftvoll dazu beigetragen, dass sich in Europa jene spezifische Wissensgesellschaft ausbildete, die im Selbstverständnis der westlichen Moderne bis heute einen prominenten Platz einnimmt. Der Band untersucht, wie im Laufe der Jahrhunderte die Auseinandersetzung mit drei zentralen Themen der Bibel neue Wissensbestände und Formen des Wissens hervorgebracht hat. Die Autorinnen und Autoren gehen aus von den biblischen Aussagen zur Schöpfung, zur Jungfräulichkeit und Mutterschaft Mariens und zur Passion Christi. Sie beobachten, wie aus der immer wieder neuen Aktualisierung und Aneignung dieser Aussagen in Texten, in Bildern und in Ritualen neues Wissen über die Welt entstand – ein Wissen, das Lebensbereiche auch fern der Religion strukturieren konnte und schließlich auch den Geltungsanspruch des Bibeltextes selbst in Frage stellte.