AutorIn: Tobias Lagatz

Die Prosopographie von Römischer Inquisition und Indexkongregation ermöglicht Rückschlüsse auf das Innenleben beider Kongregationen. Die Buchzensur war zweifellos ein einigendes Band zwischen Inquisition und Indexkongregation, aber nachweisbar existierten auch zahlreiche personelle Dependenzen zwischen beiden Dikasterien. Die Auswertung dieser Dependenzen ist eine Akzentverschiebung in der Beschreibung des Verhältnisses zwischen Inquisition und Indexkongregation, da das Hauptaugenmerk nicht auf den Auseinandersetzungen und der Konkurrenz zwischen Suprema und Indexkongre-gation liegt. Darüber hinaus lässt sich nachweisen, dass das sukzessive Erklimmen der Karriereleiter in beiden Kongregationen kein Automatismus war. Es zeigt sich insbesondere, dass sich das Kardinalsgremium der Inquisition im Vergleich zur Indexkongregation vielmehr aus den eigenen Reihen rekrutierte. Die nominelle Amtszeit eines Mitarbeiters der Inquisition und Indexkongregation ist nicht gleichbedeutend mit der tatsächlichen Teilnahme an der Kongregationsarbeit. Mit Hilfe der Sitzungspräsenzen lässt sich verdeutlichen, wie das aktive Konsultorenamt im Kreis der Dominikaner vergleichbar mit einem Stab im Staffellauf weitergereicht wurde. Die dokumentierte Gutachtertätigkeit ist schließlich ein Kriterium, um die Einflussnahme einzelner Mitarbeiter auf die Buchzensur einzuschätzen und den eifrigsten Zensoren ein Gesicht zu geben.

La Prosopografia dell’Inquisizione Romana e della Congregazione dell’Indice permette conclusioni sulla vita interiore delle due Congregazioni. La censura libraria era senza dubbio un legame unificante tra l’Inquisizione e la Congregazione dell’Indice, ma oltre a ciò è comprovabile che esistevano anche tantissime dipendenze personali tra i due Dicasteri. La valutazione di queste dipendenze costituisce una modifica dell’accento nella descrizione del rapporto tra l’Inqusizione e la Congregazione dell’Indice, siccome l’attenzione non è principalmente fissata alle controversie e alla competizione tra la Suprema e la Congregazione dell’Indice. Inoltre può essere provato che il risalire graduale della scala della carriera nelle due Congregazioni non è un automatismo. Si fa vedere che la commissione dei Cardinali dell’Inquisizione si componeva piuttosto di membri dalle proprie file, paragonato alla Congregazione dell’Indice. La durata della carica di un collaboratore all’Inquisizione e alla Congregazione dell’Indice non è equivalente alla partecipazione effettiva al lavoro della Congregazione. All’esempio della presenza in riunioni si può illustrare che l’ufficio di un consultore nella cerchia dei dominicani è comparabile con la trasmissione di un testimone nella corsa staffetta. L’impiego documentato come perito è infine un criterio per valutare l’influsso d’ogni dipendente sulla censura libraria e di dare un viso al censore più zelante.

The prosopography of Roman Inquisition and Index Congregation makes it possible to draw conclusions on the inner life of both congregations. Book censorship was undoubtedly an element of arrangement between Inquisition and Index Congregation, but, additionally, there are several indications on the existence of personal relations between the two dicasteries. The research on these personal relations leads to a shift of emphasis within the description of the relations between Inquisition and Index Congregation, since it does not particularly focus on the conflicts and competition between Suprema and Index Congregation. Moreover, it is possible to show that climbing up the career ladder was all but an automatic procedure within both congregations. Above all, there is evidence for the fact that the committee of cardinals of the Inquisition, in comparison with the Index Congregation, rather tended to recruit persons from their own clientele. The time span, in which a collaborator of the Inquisition and Index Congregation officially held his office, does not correspond with his real participation in the congregation’s activities. By examining the presences at the consultations, it is possible to show that the consultor’s office was passed from one Dominican to another like the baton in a relay race. The persons’ activity as censorship experts, which is also documented, can serve both as a criteria for estimating the influence of specific collaborators on book censorship, and in order to reveal aspects of the personality of the most eager censors.

in Verbotene Bücher
Zerrbild seiner selbst und Spiegelbild der Zeit
AutorIn: Tobias Lagatz
Der „Ewige Jude“ stand auf dem Index der verbotenen Bücher – das lässt aufhorchen: Kämpfte die katholische Kirche so gegen antisemitische Stereotype? Dieser Frage geht der Autor anhand der Verfahren gegen die französischen Autoren Edgar Quinet und Eugène Sue nach, die das Motiv des Ewigen Juden im 19. Jahrhundert neu interpretierten.
Der detaillierte Einblick in den Alltag der Zensoren ist entlarvend: In den Archiven der Inquisition und der Indexkongregation sind irreführende Gutachten zu finden, die für ihre Verfasser nur noch Mittel zu dem Zweck waren, sich in den revolutionären Kämpfen ihrer Zeit richtig zu positionieren. Mitarbeiter der zuständigen Kongregationen waren völlig überfordert, und Bücher wurden sogar ohne vorherige Lektüre verboten. Die unverzichtbare Analyse weiterer, zeitgleich ablaufender Verfahren im Kontext der kirchenpolitischen Großwetterlage zeigt schließlich: Der „Ewige Jude“ geriet nicht wegen Antisemitismus in den Blick der Zensoren, sondern weil insbesondere Sue als antijesuitisch, unmoralisch, sozialistisch und revolutionär galt.

in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum
in Der Ewige Jude von Edgar Quinet und Eugène Sue auf dem Index Librorum Prohibitorum