In: Gesundheitssystem und Gerechtigkeit
In: Katholische Krankenhäuser – herausgeforderte Identität
Aktuelle Streitfelder - ethische Grundlagenprobleme
Die schwere Krise des gegenwärtigen Sozialstaats stellt uns vor grundlegende Richtungsentscheidungen: Sowohl seine moralisch-politischen Grundlagen als auch seine Organisationsstrukturen stehen zur Debatte. Ist der bundesdeutsche Sozialstaat angesichts demografischer Umbrüche, verfestigter Massenarbeitslosigkeit und globalisierter Märkte strukturell überfordert? Und wie lassen sich seine politisch-moralischen Grundlagen für die Zukunft bestimmen? Vor diesem Hintergrund dokumentiert der Band die Diskussionen des 'Berliner Werkstattgesprächs 2005' christlicher Sozialethikerinnen und Sozialethiker. In den bewusst kontrovers angelegten Beiträgen geht es sowohl um aktuelle Streitfelder (z.B. Grundsicherung und Arbeitsmarkt, 'Gesundheitsprämie' versus 'Bürgerversicherung' in der Gesundheitspolitik, Sozialstaaten im internationalen Vergleich) als auch um ethische Grundlagenprobleme (z.B. aktuelle Gerechtigkeitstheorien, die Frage nach 'katholischen Grundlagen' des Sozialstaats, das Verhältnis von Sozialstaatlichkeit und moderner Demokratie).
Die Vorstellung, das Gesundheitssystem könne alles für Alle leisten, erweist sich als Illusion.

Aus diesem Grund ist eine ethische Debatte um Verteilungskriterien, Prioritäten, Rationierung und Grenzen medizinischer Leistungen unumgänglich geworden. Wie können Gerechtigkeit und Effizienz, unbedingte Menschenwürde und Rationierung zusammengedacht werden?

Die Reihe „Sozialethik konkret“ greift diese vielschichtige Problematik auf und diskutiert Fragen der Gerechtigkeit im Gesundheitswesen aus der Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Dabei wird der spezifische, wissenschaftliche Lösungsbeitrag der Christlichen Sozialethik zu dieser politischen und wirtschaftlichen Gestaltungsaufgabe herausgearbeitet. Mit den kontroversen Beiträgen dieses Bandes sollen eine ausgewogene Beurteilung der Gesundheitsthematik erreicht, Vorschläge zur konkreten Gestaltung von Reformprozessen und Strukturveränderungen erarbeitet und offene und weiterführende Fragestellungen identifiziert werden.
Katholische Krankenhäuser sind anerkannte Institutionen im Gesundheitsbereich, die auch bei Nichtchristen eine hohe Anerkennung erfahren.
Angesichts abnehmender Zahlen an Ordensbrüdern und Ordensschwestern in der Pflege der Patienten sowie abnehmender konfessioneller Bindung bei Professionellen im Gesundheitswesen stehen viele katholische Krankenhäuser vor der schwierigen Aufgabe, wie sie das katholische Profil als Identitätsmerkmal ihrer Häuser wahren können – und dies unter hohem Ökonomisierungsdruck und der Suche nach geeignetem Personal. Diese und andere brennende Fragen werden in den Beiträgen des Bandes aus ökonomischer, juristischer, theologischer und gesundheitspolitischer Perspektive lösungsorientiert diskutiert.