in Habitus fidei – Die Überwindung der eigenen Gottlosigkeit
AutorIn: Vittorio Hösle
Vittorio Hösle, der hier zentrale Aufsätze zu Platon vorlegt, ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Philosophen der Gegenwart. Kein Philosoph – so Hösle – ist wohl bedeutender als Platon, keiner schwerer zu interpretieren. Die in diesem Band versammelten Texte nehmen zuerst einmal Abstand vom Platonischen Oeuvre, um die verschiedenen Arten des Zugangs zu ihm, die Möglichkeiten des Genres des Dialoges, das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit grundsätzlich zu klären. Auf dieser Grundlage wird dann Platons komplexe und moderne Philosophie der Mathematik systematisch ausgewertet. In der Diskussion um Platons „Esoterik“ will dieses Buch durch einen Rückgang auf die allgemeine Hermeneutik einerseits, durch die Berücksichtigung der mathematischen Forschungen der Akademie andererseits einen neuen interpretativen Zugang zu der Platonischen Philosophie freilegen. Es spannt einen Bogen von dem geistesgeschichtlichen Hintergrund Platons bis zum Weiterwirken seines Denkens im Neuplatonismus, bei Schleiermacher und im neuen Platonbild des 20. Jahrhunderts.
»Habitus fidei« ist ein Kerngedanke der vielfältigen Forschungen und des reichhaltigen Wirkens von Richard Schenk. »Die Überwindung der eigenen Gottlosigkeit« bezieht sich auf seine Bemühungen, eine Theologie zu entwickeln, welche die Situation von Unglauben, Angst und Verlust der Hoffnung aufgreift.
Das Werk von Richard Schenk, dessen Schwerpunkte in der Anthropologie und Gnadenlehre des 13. Jahrhunderts sowie auf den zeitgenössischen Fragen zu Themen der Ökumene, der Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Theodizee und dem Verhältnis von Glaube, Vernunft und Geschichte liegen, berührt damit zentrale Fragen der gegenwärtigen Diskussion um die Kirche in der heutigen Welt. Die zu dieser Festschrift beitragenden namhaften Philosophen und Theologen haben durch die Beschäftigung mit seinem Werk und dem gemeinsamen Forschen an diesen Themen großen Gewinn gezogen und möchten durch ihre Beiträge sowohl das Werk Richard Schenks würdigen als auch seine Gedanken und Anliegen aus den jeweiligen Disziplinen weiterdenken.