12. Agostino Steffani – ein Komponist als Weihbischof

In: Leben am Hof zu Neuhaus
Author:
Lars Wolfram
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Abb. 12.1:
Abb. 12.1:

Porträt Agostino Steffani. Dieses Ölgemälde des Münsteraner Malers Gerhard Kappers ist eine von vermutlich nur zwei zeitgenössischen Abbildungen Agostino Steffanis. Es entstand 1714 im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Weihbischof in den Diözesen Paderborn und Münster. Es befindet sich auf der Wasserburg Haus Welbergen bei Münster, wo es der Archivar Wilhelm Kohl in den 1970er Jahren entdeckte, und der den Dargestellten mit dem berühmten Komponisten und Bischof identifizierte. Foto: Wikipedia.

„Im 18. Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte.“ Der erste Satz aus Patrick Süskinds Kult-Roman „Das Parfüm“ gehört längst zu den berühmtesten Romananfängen der deutschen Literaturgeschichte und wenn wir statt von Frankreich von ganz Europa reden und das abscheulich ersetzen, gibt er auch eine gute Einleitung zu einem Porträt Agostino Steffanis ab, der zu den schillerndsten Figuren seiner Zeit gehörte, dessen Leben das eines geradezu atemberaubenden gesellschaftlichen Aufstiegs war und auch für die an schillernden Figuren nicht arme Welt der barocken Fürstenhöfe ungewöhnlich. Als der gebürtige Italiener zum ersten Mal das Residenzschloss in Neuhaus betrat, war er ausweislich des gerade aus dieser Zeit stammenden einzigen zeitgenössischen Porträts, das sich von ihm erhalten hat, ein würdiger Herr von noch nicht ganz sechzig Jahren, etwas beleibt, der Haarkranz in Ehren ergraut, gekleidet in eine schwarze Soutane, ein unsagbar trauriger Blick aus kleinen, gräulichen Augen.1 Diese Augen hatten von Rom bis Hannover, von Paris bis Wien alle Zentren barocker Kunst und Macht gesehen, Päpsten, Kaisern, Königen und einigen der klügsten Köpfe ihrer Zeit entgegengeblickt.

Geboren wurde Agostino Steffani am 25. Juli 1654 in Castelfranco Veneto, einem Landstädtchen von heute etwa 33.000 Einwohnern zwischen Treviso und Bassano del Grappa, Luftlinie knappe vierzig Kilometer landeinwärts von Venedig gelegen, zu dessen Festlandbesitz, der Terraferma, es seit dem 14. Jahrhundert gehörte. Die Geschichte vom Kind armer Leute, das dann einen großartigen Aufstieg erlebte, ist wohl eher eine romantische Konstruktion der Musikgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts,2 denn die Familie Steffani besaß noch bis ins 18. Jahrhundert mehrere Häuser in Venedig nahe der Kirche San Marcuola, von denen eines Agostino Steffani später nach unersprießlichem Papierkrieg erben sollte,3 und der Bruder von Steffanis Mutter erwog sogar für 100.000 Dukaten den Kauf des venezianischen Adelstitels.4 Es werden wohl gutbürgerliche Verhältnisse – wenn man diesen anachronistischen Begriff einmal gestatten möchte – gewesen sein, denen Steffani entstammte, keine jedenfalls, die seinen späteren Lebensweg irgendwie hätten ahnen lassen.

Die entscheidende Weichenstellung brachte das Jahr 1667, als der Dreizehnjährige dem bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria auffiel, der gerade eine Italienreise unternahm. Die Quellen sind sich nicht ganz einig, ob diese Begegnung in Venedig oder in Padua stattfand, vermutlich aber in letzterer Stadt, wo der Junge Sängerknabe an der Basilika des Heiligen Antonius war. Der Kurfürst „beschloss, den begabten Sänger nach München mitzunehmen, wo Bedarf an Sängern herrschte“.5 Agostino Steffani kam also mit dreizehn Jahren an den kurfürstlichen Hof in München und begann seine systematische Ausbildung zum Musiker, finanziert durch den Fürsten selbst. Diese Ausbildung hatte im 17. Jahrhundert noch etwas sehr Handwerkliches: Der Lehrling lebte im Haushalt seines Meisters, erhielt von diesem Unterricht, unterstützte ihn bei seiner Arbeit und wuchs so nach und nach selbst in die Musikerzunft hinein. Steffanis Meister war der angesehene Kapellmeister Johann Kaspar Kerll, der nicht nur den jungen Italiener, sondern auch den Kurprinzen Max Emanuel im Orgel- und Klavierspiel unterrichtete. Steffani allerdings vertrug sich so schlecht mit dem autoritären Hausvater, dass die Spannungen nur dadurch zu lösen waren, dass er nach drei Jahren bei Kerll auszog und bei einem Kammerdiener untergebracht wurde.6 Damit ist auch schon die soziale Stellung angedeutet, die Steffani nach dem Ende seiner Ausbildung am Münchner Hof erwartete: Er würde ein Lakai werden, ein qualifizierter Fachmann auf seinem Gebiet, so wie es auch die Angestellten in den fürstlichen Stallungen oder in der Küche waren, ein besonders spezialisierter Dienstbote. Mit 18 Jahren wurde Steffani als Organist Hofmusicus mit 300 Gulden Jahresgehalt und noch einmal 300 Gulden Zulage für Kleidung und Nahrung. Gleichzeitig finanzierte der Kurfürst seinem Schützling zum Abschluss der Ausbildung die für Künstler geradezu obligatorische Italienreise, die Steffani nach Rom führte, wo er beim Kapellmeister der Sixtinischen Kapelle in Kontrapunkt und Kirchenmusik unterwiesen wurde. 1674 – Steffani war gerade zwanzig geworden – erschien dann in Venedig sein Debüt als Komponist, eine Sammlung achtstimmiger Psalmvertonungen, aus der der berühmte Musiktheoretiker Padre Martini noch hundert Jahre später Auszüge in ein Lehrbuch des Kontrapunktes aufnahm. Zurück in München wurde das Gehalt des jungen Hoforganisten mehr als verdoppelt.7 Schon wenige Jahre später soll ihm Kurfürst Ferdinand Maria eine weitere Studienreise ermöglicht haben, die den jungen Hofmusiker nach Turin und vor allem nach Paris führte, wo er die Opern Jean-Baptiste Lullys kennen lernte und dem Vernehmen nach sogar vor dem König, dem berühmten Sonnenkönig Ludwig XIV., gespielt haben soll.8 Nach dem Tod Ferdinand Marias 1679 wurde Steffani nach München zurückgerufen, aber auch der Sohn und Nachfolger des Kurfürsten, der bereits erwähnte Maximilian II. Emanuel, der nun mit gerade einmal 17 Jahren den Thron bestieg, setzte die Förderung des begabten Komponisten fort: 1681 bekam er das extra für ihn geschaffene Amt des Kammermusikdirektors mit einem Jahresgehalt von 1.080 Gulden, genauso hoch wie das des Hofkapellmeisters, der inzwischen nicht mehr Kaspar Kerll hieß, sondern Ercole Bernabei – Steffani hatte seinen römischen Lehrer nach München mitgebracht. Im gleichen Jahr 1681 debütierte Steffani als Opernkomponist mit einem „Marco Aurelio“. In den folgenden Jahren „komponierte er jeweils für den Münchner Karneval, für die glanzvolle Hochzeit des Kurfürsten mit der Kaisertochter Maria Antonia 1686 und zu deren Geburtstag 1687 insgesamt sechs Opern nach venezianischem Muster. Die Libretti schrieb ihm meistens sein Bruder Venturo Terzago, der inzwischen in München als Hofpoet, Privatsekretär und Agent Karriere gemacht hatte“.9 Neben dem „Marco Aurelio“ sind drei weitere dieser Münchner Opern erhalten, die bis heute nicht unwesentlich Steffanis musikalischen Ruhm begründen: „Servio Tullio“ von 1686, „Alarico il Baltha, Re dei Goti“ von 1687 und „Niobe, Regina di Tebe“, als einzige Oper von Steffani heute wieder relativ regelmäßig auf den Spielplänen, von 1688.

In eben diesem Jahr 1688 verließ Steffani seine Wahlheimat München und den Hof seines langjährigen Förderers und Gönners, des Kurfürsten von Bayern. Der Herzog von Hannover hatte ihn abgeworben. Seit einer Gesandtschaftsreise Steffanis nach Schloss Herrenhausen 1682 gab es dauernde Kontakte zu verschiedenen Personen am Hannoveraner Hof, im April 1688 war es der Kammermusikdirektor Steffani, der Gottfried Wilhelm Leibniz die Erlaubnis verschaffte, die kurfürstliche Bibliothek in München für seine Geschichte des Welfenhauses benutzen zu dürfen,10 der Herzog selbst hatte Steffani nach dessen Gesandtschaft 1683 in München und 1685 in Padua wiedergetroffen.11 Man hatte den erfolgreichen Opernkomponisten aus München also „auf dem Schirm“, als die Stände Ernst August von Braunschweig-Calenberg, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, den Bau eines Opernhauses in Hannover genehmigt hatten. Mit der entsprechenden Prachtentfaltung unterstützte und zeigte der Herzog seine Ambitionen auf Rangerhöhung, auf den Aufstieg in den kleinen Kreis der Kurfürsten.12 Gleichzeitig war der Komponist in München unzufrieden: Während die Proben zur „Niobe“ liefen, starb sein alter Lehrer und neuer Vorgesetzter Ercole Bernabei, statt Steffani erhielt aber der andere Vize-Kapellmeister den frei gewordenen Posten an der Spitze der Hofmusik, Bernabeis Sohn Giovanni Antonio. Steffani selbst hat in Briefen später eine Beleidigung seines Bruders durch einen Kammerherrn des Kurfürsten als Grund für seinen Abschied von München genannt. Die Quellen wissen auch noch von erheblichen Schulden von fast 2.000 Gulden – etwa das Zweifache seines Jahreseinkommens.13 Da kamen ihm im Frühjahr 1688 die gemeinsam mit Leibniz in München verbrachten Nachmittage sehr recht, denn der enge Berater der hannoverschen Fürsten wusste um die Pläne seines Dienstherren rund um die Reorganisation der Hofkapelle und den Neubau des Opernhauses und Steffani hatte in München gezeigt, dass er der richtige Mann war, den prunkvollen Rahmen mit angemessener Musik zu füllen.14 Steffanis Aufgabenfeld als Hofkapellmeister in Hannover war einzig die Vokalmusik.15 Das bedeutet, dass er mit den Sängerinnen und Sängern des Opernensembles zu arbeiten hatte, bei denen er als strenger Vorgesetzter galt, und dass er alljährlich zum Karneval eine Oper zu komponieren und aufzuführen hatte. Zur Eröffnung des Opernhauses brachten Steffani und sein neuer Librettist Ortensio Mauro die Geschichte Heinrichs des Löwen auf die Bühne: „Von der Elbe bis an den Rhein, vom Harz bis an die See war sein. Zum Glauben er die Wenden bracht, Bayern besaß er mit Macht, der Kaiser ihn der Ehr entsetzt, Braunschweig-Lüneburg blieb ihm zuletzt“, hieß es im dreisprachig gedruckten Vorwort. Die Erinnerung an den glorreichen Vorfahren sollte den Anspruch Ernst Augusts auf die Kurwürde untermauern. Dafür scheute man keinen Aufwand, so stellte man ein zerbrechendes Schiff auf die Bühne, einen Greifen, der Heinrich in sein Nest entführt, den Kampf zwischen dem Greifen und einem Löwen, die Geistererscheinung Heinrichs vor seiner Ehefrau, eine Wolke, die den Herzog zurück nach Lüneburg trägt, einen Teufel im Kampf mit dem erwähnten Löwen, die Belagerung und Eroberung von Bardowick und schließlich einen Triumphwagen, den vier echte Pferde über die Bühne zogen.16

Abb. 12.2:
Abb. 12.2:

Szenenphoto aus einer modernen Produktion von Steffanis Oper „Niobe, regina di Tebe“ die bei den Schwetzinger Festspielen in London gezeigt wurde: Veronique Gens als Niobe, Jacek Laszczkowski als Anfione, Inszenierung Lukas Hemleb, Bühne/Licht Raimund Bauer, Kostüme Andrea Schmidt-Futterer, Dirigent Thomas Hengelbrock. Royal Opera House Covent Garden London, 17. September 2010. Credit: Bill Cooper / ArenaPAL

Steffanis Leben in Hannover war arbeits- und abwechslungsreich. Jedes Jahr zur Karnevalssaison komponierte er eine neue Oper, daneben entdeckte er die Gattung der Kammerduette für sich, kleine Miniaturen für zwei Singstimmen und Generalbass auf modische italienische Gedichte, die sich in Abschriften rasch über ganz Europa verbreiteten und seinen Namen auch außerhalb der Höfe beim musikliebenden Publikum bekannt machten. Zu den Dichtern, deren Verse er dabei vertonte, gehörte der bereits erwähnte Ortensio Mauro, der auch sein wichtigster Opernlibrettist der Hannoverschen Jahre war.17 Es hat die Phantasie der Biographen angeregt, sich die beiden Italiener zusammen mit Leibniz in der Gesellschaft der Kurfürstin Sophie vorzustellen, der elegantesten und klügsten, die vielleicht damals in Deutschland zu finden war, wie Friedrich Chrysander anmerkte.18 Ganz unbeeindruckt von diesen gelehrten Zirkeln scheint Steffani tatsächlich nicht gewesen zu sein, denn Anfang 1695 gab er einen musiktheoretischen Traktat in Druck, „Quanta certezza habbia da suoi principii la musica et in qual pregio fosse perciò presso gli antichi“, der bald ins Deutsche übersetzt und in der Fachwelt kontrovers diskutiert wurde.19

Doch nicht nur intellektuell, auch politisch waren es bewegte Zeiten in Hannover: Im Dezember 1692 war Herzog Ernst August endlich am Ziel und erhielt vom Kaiser die neunte Kur im Heiligen Römischen Reich sowie das Amt des Erzbannerträgers verliehen – zu den Feierlichkeiten in Hannover gab man Steffanis neue Oper „La libertà contenta“. 1694 war die Königsmarck-Affäre der Klatsch und Tratsch an allen europäischen Höfen: Die Ehefrau des Thronfolgers hatte eine Affäre mit einem jungen Offizier, Königsmarck, eine beleidigte Hofdame erzählte die Geschichte herum, der Liebhaber ist bis heute spurlos verschwunden, der Kurprinz ließ sich scheiden und verbannte seine Ex-Frau für den Rest ihres Lebens vom Hof. 1698 starb der neu ernannte Kurfürst, drei Jahre später kam eine englische Delegation nach Hannover und trug Kurfürstin Sophie und ihren Nachkommen die Thronfolge auf dem britischen Königsthron an. Bei all dem war der Kapellmeister Steffani immer dabei, hörte zu und erfand die akustische Kulisse für die rauschende Prachtentfaltung des welfischen Hofes.

Wer durch die Herrenhäuser Gärten geht, die aus dieser Epoche Hannovers noch übriggeblieben sind, oder wer eine dieser überbordenden barocken Kirchen betritt, der sieht sofort: Die ganze Welt ist eine Bühne. Und die Bühne ist die ganze Welt in Steffanis Opern, barocken Gesamtkunstwerken von vier oder fünf Stunden Spieldauer, kleinteilig aufgebaut mit vierzig oder sechzig Arien voll von allen menschlichen und göttlichen Leidenschaften. In zarten Kantilenen, nur von einer Laute begleitet, gestehen sich die mythologischen oder historischen Figuren ihre Liebe, ein paar Minuten später fegt ein Unwetter oder ein Erdbeben über die Bühne mit Donnerblechen und Windmaschinen, mit Trommeln und Trompeten werden Städte und Länder erobert, die ganze Sinnlichkeit barocker Pracht bebt in diesen Spektakeln.

Zum Karneval 1695 gab man „I trionfi del fato“, Text wie üblich von Ortensio Mauro, und wohl kaum jemand ahnte, dass es zumindest vorläufig der Abschied des berühmten Abbé Steffani vom Operngeschäft sein würde. Ein Jahr später ist er schon nicht mehr in Hannover zu finden, sondern in Brüssel. Der Kurfürst war kränklich, müde, konnte und wollte nicht mehr so recht am Hofleben teilnehmen. Der Thronfolger hatte kein Interesse an der Oper, es wurde still in Hannover, wie die Kurfürstin berichtet, und für den Operndirektor, der sich auf dem glatten höfischen Parkett offensichtlich bewährt hatte, hatte man eine bessere Verwendung: Kurfürst Max Emmanuel, sein ehemaliger Dienstherr in München, hatte durch den Einfluss seines habsburgischen, kaiserlichen Schwiegervaters inzwischen das Amt des Statthalters der Spanischen Niederlande übernommen, jener habsburgischen Territorien, die in diesen Jahren immer wieder Schauplatz der Expansionskriege Ludwigs XIV. waren. Steffani wurde hannoverscher Envoyé extraordinaire beim Statthalter in Brüssel und sollte die Interessen seines neuen Dienstherren dem alten gegenüber vertreten. Er hatte bald eine angesehene Stellung in den höchsten Kreisen des von französischer Kultur dominierten Hofes und nahm rege am gesellschaftlichen Leben teil, ein geschätzter und geistvoller Gesellschafter – in die Oper ging er nun nur noch als Zuschauer, um seinen repräsentativen Aufgaben nachzukommen.20 Er hatte sich den veränderten Rahmenbedingungen angepasst und war dabei in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben gefallen, aus dem Musiker war ein Diplomat, ein Berufspolitiker geworden.21

Steffani pflegte nicht nur persönliche Kontakte, wozu durchaus auch Musikabende mit seinen Gästen gehörten,22 sondern auch eine umfangreiche Korrespondenz durch ganz Europa, zumeist in französischer Sprache. Damals hielt gerade das spanische Erbfolgeproblem die europäische Politik in Atem, das sich bald zu einem brutalen Krieg auswachsen sollte: Durch das Aussterben der Habsburger auf dem spanischen Königsthron eskalierten die konkurrierenden Machtansprüche des Kaisers und des französischen Sonnenkönigs. Steffanis Aufgabe war es, den schwankenden Max Emmanuel auf die Seite des Kaisers zu ziehen. Dass ihm das misslang und der Bayer schließlich auf der Seite Frankreichs stand, empfand er als eine der bittersten Niederlagen seines Lebens. Die Enttäuschung und Erschütterung brachten ihn für kurze Zeit wieder zur Musik, ganze Tage verbrachte er am Cembalo.23

Interessanterweise nahm er nach dem Ende seiner Brüsseler Gesandtschaft aber keine Stelle als Hofmusiker mehr an, sondern blieb im Metier des Politikers.24 Schon einige Jahre hatte er ganz diplomatisch seine Fühler ausgestreckt und vermutlich half im Hintergrund auch der Erzkanzler des Reiches, Kurfürsterzbischof Lothar Franz von Schönborn aus Mainz ein bisschen mit: 1703 kündigte Steffani in Hannover und trat in die Dienste des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Er bekam den Titel „Exzellenz“ und ein Gehalt, das ungefähr dem doppelten von dem entsprach, was er damals als Münchner Kapellmeister bekommen hatte, die ersten acht Jahresgehälter wurden ihm direkt im Voraus überwiesen, außerdem der Unterhalt für vier Diener und acht Pferde.25 Zunächst übernahm er das Amt eines geistlichen Ratspräsidenten, Ende November erhob Johann Wilhelm ihn auf die eigens für ihn geschaffene Stelle eines Regierungspräsidenten. In dieser Funktion liefen über seinen Schreibtisch die wichtigsten Geschäfte und Korrespondenzen, während der Abwesenheit des Kurfürsten reformierte er die Verwaltung, vor allem aber reiste er unermüdlich in diplomatischen Missionen. Er hielt sich ein halbes Jahr in Heidelberg auf, wo der Senat beschlossen hatte, dass „zu besserem Auffnehmen und Respect der Universität eine hohe Persohn zum Rectore magnificentissimo erwehlet werde, durch deren hohe Autorität und Vorsehen alles zum besten der Universität befördert würde“, und die Wahl zum Rektor auf den Regierungspräsidenten gefallen war, dann ging es nach Dresden zu politischen Verhandlungen mit August dem Starken, nach Hannover, nach Braunschweig, wo über die Hochzeit einer Prinzessin mit dem späteren Kaiser Karl VI. verhandelt wurde usw.26

Es kommt ein wenig unerwartet, Steffani zurück in Düsseldorf 1707 plötzlich wieder im Operngeschäft finden. Seine letzte Opernproduktion lag inzwischen zwölf Jahre zurück, seit seinem Wechsel in pfälzische Dienste hören wir viel von Verwaltungsarbeit und großer Politik, aber absolut nichts mehr von Musik: Da gab man zum Karneval in Düsseldorf „Arminio“. War die Oper rund um Arminius, Varus, Thusnelda und den Sieg der Cherusker gegen die Römer weitgehend ein Pasticcio, also eine Zusammenstellung von älteren Arien Steffanis aus anderen Opern, so präsentierte er 1709 noch einmal eine letzte, komplett neu komponierte Oper, die in Dramaturgie und musikalischer Anlage Steffani nach wie vor auf der Höhe der Zeit zeigt. Diese Oper war eigentlich die reine Politik, so wie schon das Epos über Heinrich den Löwen, mit dem er sich in Hannover eingeführt hatte: Max Emanuel von Bayern hatte im Verständnis der kaiserlichen Partei mit seinem Wechsel auf die französische Seite das Reich verraten, der Kaiser hatte ihm daraufhin die Kurwürde entzogen und niemand anderem zugeteilt als Johann Wilhelm von der Pfalz. An dessen Hof spielte man nun „Tassilone“: Herzog Tassilo von Bayern verbündet sich mit den Awaren, gegen die Karl der Große eigentlich Krieg führt. Der setzt ihn dafür ab und als Präfekten in Bayern einen seiner treusten Gefolgsleute ein, den Grafen Gerold. Steffani selbst hat diese Oper wahrscheinlich nie gehört, als sie uraufgeführt wurde, war er schon wieder in diplomatischer Mission unterwegs nach Rom27 : Den Höhepunkt seiner diplomatischen Karriere erreichte Steffani 1709, als er in Rom in zähen, aber schließlich erfolgreichen Verhandlungen im Interesse der kaiserlichen Partei Papst Clemens XI. vom Eintritt in den Krieg abhalten konnte.28

Es war nicht nur der Gipfel, sondern auch das Ende seiner Laufbahn als Politiker. Mit Mitte fünfzig, nach vier Jahrzehnten an verschiedenen Höfen, hatte Steffani den Mut, sich noch einmal neu zu erfinden und das höfische Leben erst einmal hinter sich zu lassen. Wieder war es vielleicht kein ganz freiwilliger, aber auf jeden Fall ein bewusster und konsequenter Statuswechsel. Steffani ließ sich in Düsseldorf eine Abfindung zahlen, gab sein Leben als weltlicher Politiker und Diplomat auf, wollte sich auch von der Musik fernhalten und sein Leben fortan der Kirche widmen. Wann und wo (und damit: ob überhaupt) Steffani Theologie studiert hätte, ist nicht nachzuweisen, bekannt ist nur, dass er bereits 1680 in München die Priesterweihe empfangen hat.29 In München und in Hannover war er in dieser Funktion soweit nachweisbar nie in Erscheinung getreten,30 trug aber seit der Verleihung seiner ersten kirchlichen Pfründe 1683 den Titel eines Abbé.31 Seit 1703 hatte Johann Wilhelm versucht, seinen Regierungspräsidenten zum Hofbischof ernennen zu lassen, war dabei aber am Widerstand der Kurie in Rom gescheitert.32 Steffanis Weg in eine kirchliche Laufbahn musste einen anderen Weg nehmen, bei dem aber sicherlich Kurfürst Johann Wilhelm und vor allem Kurfürst-Erzbischof Lothar Franz von Schönborn im Hintergrund standen: Vor allem der Kölner Nuntius Giulio Piazza, den Steffani gut kannte, setzte sich seit Jahren in Rom für eine Teilung des Apostolischen Vikariates des Nordens ein. Im Hinblick darauf wurde der pfälzische Regierungspräsident am 13. September 1706 zum Titularbischof von Spiga ernannt und am 2. Januar 1707 vom Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn in Bamberg zum Bischof konsekriert.33 Sechsspännig habe der Erzbischof ihn abholen lassen und nach der Zeremonie in seinem eigenen Wagen mitgenommen, berichtete Steffani aus Bamberg an Johann Wilhelm, und ein großes Festmahl für ihn gegeben, Feiern bis in die Nacht.34 Am 26. März 1709 wurde von der für die Mission zuständigen Propagandakongregation, am 3. April vom Papst die Teilung des Apostolischen Vikariates befürwortet. Steffani bekam die Zuständigkeit für die Katholiken in den Ländern des Kurfürsten von Pfalz-Neuburg, des Herzogs von Braunschweig und des Markgrafen von Brandenburg übertragen35, seinen Amtssitz nahm er in Hannover, das er ja noch bestens aus seiner Zeit als Hofkapellmeister kannte und wo er sich mit dem Bau der Clemenskirche, der ersten katholischen Kirche dort seit der Reformation, ein bleibendes Denkmal setzte.36 Die Betreuung der katholischen Gemeinde in Hannover, und das bedeutete vor allem auch den stetigen Kampf um ihr Recht auf freie Religionsausübung, bildete den einen Schwerpunkt der Arbeit des Bischofs Agostino Steffani. Die Gemeinde bestand aus etwa 1.000 Personen, Sängern und Komödianten, kleinen Händlern, Köchen und Gärtnern aus Frankreich und Italien mit ihren Familien, außerdem einigen Soldaten aus den katholischen Gebieten des Reiches.

Den anderen Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die Mission. „Mit viel Engagement verfolgte der Bischof das Ziel der Sicherung des katholischen Glaubenslebens in Norddeutschland, ‚il gran negozio‘. Knapp ein Dutzend Fürsten versuchte er der katholischen Kirche zuzuführen, meistens unterstützt von Johann Wilhelm von der Pfalz oder Lothar Franz von Schönborn.“37 Genau wie bei den langwierigen Verhandlungen, die immer wieder nötig waren, um Geld für Kirchenbauten und Missionsstationen einzuwerben – denn die Kurie in Rom hatte ihn zwar mit einem Amt betraut und mit den entsprechenden Weihen und Vollmachten ausgestattet, nicht aber mit einem finanziellen Budget – kam ihm auch dabei seine Erfahrung auf dem diplomatischen Parkett zugute, die er in seinen vorherigen Stellungen erworben hatte.

Abb. 12.3:
Abb. 12.3:

Porträt Franz Arnold von Wolff-Metternich. Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht amtierte von 1704 bis 1718 als Fürstbischof von Paderborn, ab 1706 zusätzlich auch in Münster. Er holte Agostino Steffani als informellen Weihbischof aus Hannover in sein Territorium und stellte ihm Schloss Neuhaus als Wohnung zur Verfügung. Das Porträt stammt aus den Beständen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn.

Dieser ungewöhnliche Mann kam nun von Hannover aus als Weihbischof nach Paderborn, ein Amt, welches im frühneuzeitlichen Paderborn lange eher die Ausnahme war als die Regel.38 Weihbischöfe waren immer dann nötig, wenn ein Bischof mehr als ein Bistum verwaltete. Die sogenannte Bistumskumulation war in der frühneuzeitlichen Reichskirche gerade in Nordwestdeutschland im klaren Gegensatz zu den Normen des Konzils von Trient ein ausgesprochen gängiges Phänomen.39 So war Ferdinand von Fürstenberg ab 1678 ebenso Bischof von Paderborn und Münster wie Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht in den Jahren von 1707 bis 1718. Solange Franz Arnold nur Bischof von Paderborn gewesen war, hatte er alle Weihen selbst vorgenommen.40 Das war nach dem Amtsantritt im großen Bistum Münster nicht mehr möglich. Ab 1710 teilte er sich die Weihetätigkeit in seinen beiden Bistümern Münster und Paderborn mit Agostino Steffani. Die rechtliche Konstruktion, die er dafür fand, war allerdings ungewöhnlich: Es wäre üblich und zu erwarten gewesen, dass Franz Arnold nach dem Tod des bisherigen Münsteraner Weihbischofs beim Papst um die Ernennung eines Nachfolgers nachgesucht hätte. „Eine solche Anfrage erfolgte jedoch nicht. Stattdessen machte sich Franz Arnold die Tatsache zunutze, dass mit Agostino Steffani ein geweihter Bischof in der weiteren Region anwesend war. Da Steffanis Position in Hannover zunehmend schwierig geworden war, dürfte es Franz Arnold nicht allzu schwer gefallen sein, Steffani für die neue Aufgabe zu gewinnen. Auch Franz Arnold profitierte von dieser Lösung: Denn offensichtlich bezahlte er Steffani kein festes Gehalt, wie er es bei einem ‚richtigen‘ Weihbischof hätte tun müssen. Steffani wohnte vielmehr in der bischöflichen Residenz in Schloss Neuhaus vor den Toren Paderborns. Er übernahm also die Weihen quasi gegen Kost und Logis.“41 Das ging gut, weil Bischof Franz Arnold selbst nach seiner schwierigen Wahl zum Bischof von Münster Neuhaus verlassen und seine Hofhaltung auf das Schloss Ahaus verlegt hatte, das Residenzschloss der Fürstbischöfe im westlichen Münsterland.

Steffani war also kein ordentlicher Paderborner Weihbischof, seine Anstellung war nicht über den kirchlichen Verwaltungsweg gegangen, er bekam kein Gehalt aus der Bistumskasse. Es war ein persönliches Arrangement zweier Kirchenmänner und damit ist auch klar, dass es im Moment des Todes von Franz Arnold hinfällig wurde. Was sprach aber überhaupt dafür, ausgerechnet Steffani mit einem solchen Arrangement nach Paderborn zu holen? Selbst der neuste Forschungsbeitrag begnügt sich mit dem Hinweis darauf, dass die Lösung für beide Seiten günstig und Steffani halt ohnehin in der Region war. Auf der einen Seite ist das natürlich plausibel, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Steffani nicht der erste Apostolische Vikar für den Norden war, der in Paderborn die Aufgaben eines Weihbischofs wahrnahm. Sein Vorgänger war auf genau die gleiche Art hierhergekommen, auch Nils Stensen war Apostolischer Vikar mit Sitz in Hannover gewesen und war von dort aus von Bischof Ferdinand nach Westfalen herüber geholt worden – allerdings als ordentlicher Weihbischof. Eine weitergehende Antwort kann ein Blick in die Familiengeschichte von Bischof Franz Arnold geben: Dessen Familie erlebte einen sehr raschen Aufstieg und sie verdankte diesen Aufstieg ihrer Nähe zu den Wittelsbachern. In den Diensten der Wittelsbacher wurden die Wolff groß. Johann Adolf Wolff hatte es von Köln aus bis zum Prinzenerzieher und Oberstkämmerer am Bayerischen Hof gebracht. Und genau so ist es auch mit Agostino Steffani. Der Zögling und Dienstherr von Franz Arnolds Großvater, Kurfürst Ferdinand Maria, hatte ihn entdeckt und ins Reich geholt, am Münchner Hof hatte er Karriere gemacht. Bischof Agostino hatte also, salopp ausgedrückt, für Franz Arnold den richtigen „Stallgeruch“, oder, vornehmer formuliert, er kam aus dem gleichen Klientelverband, dem auch die Familie des Bischofs ihren Aufstieg verdankte. Das schafft Vertrauen.

Und Vertrauen war das wichtigste, was ein Weihbischof haben musste, denn von ihm ließ sich der jeweilige Diözesanbischof tief in die Karten schauen. Der Diözesanbischof musste sich sicher sein können, dass der andere Bischof seine Aufgaben selbstständig und zuverlässig erfüllte und dass er die Informationen und Kontakte, die er dabei gewann, nicht gegen ihn verwandte. Mit wem aber könnte der Weihbischof sich verbünden?

Da ist als erstes der Papst: Der Kampf der Reichskirche um ihre Unabhängigkeit von Rom ist ein ganz großes Thema der frühneuzeitlichen Reichs- und Kirchengeschichte. Ein Weihbischof, der dem Papst gegenüber loyaler ist als gegenüber dem Ortsbischof, hätte gefährlich werden können. In dieser Hinsicht war von Agostino Steffani nichts zu befürchten. Er kam zwar aus Italien, aber aus einer nichtadeligen Familie gänzlich ohne kuriale Tradition und aus der traditionell denkbar kirchenfernsten Gegend der Apennin-Halbinsel, dem Veneto. Er war als Diplomat beim Papst gewesen, hatte auch Ehrentitel empfangen, von einer besonderen Nähe zu Rom ist aber bei ihm wenig zu spüren.

Als zweites gibt es das Domkapitel: Domkapitel und Bischof stehen traditionell in Konkurrenz zueinander. Um in das Domkapitel aufgenommen zu werden, mussten die Kandidaten Ahnenproben ablegen, hier hatten die landadeligen Familien des Fürstbistums Paderborn Sitz und politischen Einfluss auf die Regierung des Hochstiftes. Häufig stammte der Bischof selbst aus diesen niederadeligen Familienverbänden, stand im Amt also seinen eigenen Verwandten und Standesgenossen gegenüber, denen er politische Souveränität abzutrotzen versuchte. Ein Weihbischof, dessen Loyalitäten in dieser Gemengelage nicht klar waren, konnte schnell zur Gefahr werden. In dieser Hinsicht war Steffani geradezu eine Idealbesetzung: Als Aufsteiger aus dem Ausland war er vom „Klüngel“ der lokalen Adelsfamilien so weit entfernt wie nur denkbar und tatsächlich sind aus seiner Paderborner Zeit keine Berührungspunkte mit dem Domkapitel überliefert: Man tat gut daran, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen.

Der lokale Adel wird den Weihbischof mit Skepsis betrachtet haben: In den Quellen scheint immer wieder durch, wie stark Steffani auf die Demonstration seines Rangs bedacht war. Vom Hofbediensteten über leitende Funktionen in der Oper, über mehrere diplomatische und politische Positionen war er als Apostolischer Vikar endgültig in einen Rang aufgestiegen, der eigentlich allein dem geburtsständischen Adel vorbehalten war. Das führte zu Misstrauen und Anfeindungen, und im Gegensatz zu seinem dänischen Vorgänger Stensen, der sich als einfacher Seelsorger präsentierte, legte der Italiener Wert auf Repräsentation. Sein persönliches Gefolge zählte etwa neun Personen, was für einen Weihbischof ungewöhnlich viel ist.42 Zu diesem Habitus gehörte auch, jede Verbindung mit dem Musiker von sich zu weisen. Diese Opern, das seien Jugendsünden, jetzt sehe er manchmal jahrelang kein Cembalo mehr, schrieb er aus Neuhaus an den Hof in Kassel.43

Der dritte Aspekt sind Verbindungen in der Reichskirche: Gegenüber der Kurie musste der Diözesanbischof seine Eigenständigkeit verteidigen, gegenüber dem Domkapitel, aber auch gegenüber den anderen Bischöfen innerhalb der Reichskirche. Und während Steffani zu Kurie und Domkapitel – soweit wir wissen – immer auf Distanz stand, waren seine Verbindungen in der Reichskirche sein Schwachpunkt für Franz Arnold. Ohne mächtige Fürsprecher wäre der Italiener nie auf seinen Posten gekommen, das heißt aber auch, dass hinter ihm eine bestimmte Interessengruppe stand, der er verpflichtet war: Lothar Franz von Schönborn, der Kurfürsterzbischof von Mainz und Bamberg, als Erzkanzler um Erhalt und Verteidigung des Reiches besorgte graue Eminenz der Reichskirche, dem man durchaus Ambitionen unterstellte, mit seinem süddeutschen Netzwerk auf die stark wittelsbachisch dominierten geistlichen Herrschaften im Nordwesten des Reiches ausgreifen zu wollen.

Blicken wir zum Abschluss noch kurz auf Steffanis praktische Tätigkeit als Weihbischof: Einmal im Quartal wurden üblicherweise in der Bischofskirche die höheren und niederen Weihen erteilt, außerdem reiste der Bischof zu anfallenden Kirch- und Altarweihen und spendete vor Ort in den Pfarreien die Firmung, oft verbunden mit einer Visitation der jeweiligen Pfarreien. Um eine regelmäßige Weihefrequenz sicherzustellen, einigten sich Franz Arnold und Agostino Steffani darauf, dass sie beide ungefähr gleichmäßig in beiden Bistümern weihen sollten. Den größten Teil der Weihen nahm dann in der Praxis doch der Weihbischof vor, in den acht Jahren seiner Tätigkeit stehen seinen vierzig Weiheterminen 22 bei Franz Arnold gegenüber. Dem Sachverhalt, dass Steffani nicht als normaler Weihbischof angestellt war und demnach auch über keine Generalvollmacht verfügte, ist es zu verdanken, dass in den Paderborner Weiheprotokollen jeweils eigens vermerkt wurde, dass der Bischof von Spiga diese Weihen im Auftrag Franz Arnolds durchgeführt habe.44 Insgesamt hat Steffani in den acht Jahren seiner weihbischöflichen Tätigkeit 480 Männern die Tonsur erteilt, 422 die niederen Weihen gespendet, 382 zum Subdiakon, 367 zum Diakon und 356 zum Priester geweiht.45

Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht starb am Weihnachtstag 1718 auf Schloss Ahaus. Damit fiel ein wichtiger Rückhalt für Agostino Steffani weg. Je schwieriger, je nervenaufreibender seine Arbeit in Hannover geworden war, umso wertvoller war die Ruhe und materielle Sicherheit in Neuhaus gewesen. 1722 gab Steffani das Vikariat dann endgültig auf und trat gewissermaßen in den Ruhestand. Er ging inzwischen auf seinen siebzigsten Geburtstag zu. Für drei Jahre zog er sich in ein Kloster in Padua zurück, dann reiste er wieder in den Norden. Es waren keine glücklichen letzten Jahre, die ihm beschieden waren, enttäuschte Erwartungen, ergebnislose Papierkriege, materielle Not und Unsicherheit, die ihn zu verzweifelten Versuchen zwangen, seine Gemäldesammlung, seine Bücher und Juwelen zu Geld zu machen.46 Im Herbst 1727 verließ er Hannover endgültig. Er nahm nur noch sein Archiv, das heute im Vatikan aufbewahrt wird, und einige persönliche Gegenstände mit. Weihnachten und den Jahreswechsel verbrachte er bei Lothar Franz von Schönborn in Mainz, dem letzten noch lebenden seiner Freunde und Unterstützer, dann reiste er weiter nach Italien in das Land seiner Kindheit. Seine Gesundheit war bereits seit längerer Zeit angegriffen, und als der alte Mann in Frankfurt im Dompfarrhaus Station machte, erlitt er nachts einen Schlaganfall. Die herbeigerufenen Ärzte konnten nichts mehr ausrichten, am 12. Februar 1728 ist Agostino Steffani gestorben.47

Abb. 12.4:
Abb. 12.4:

Grabplatte. Im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt fand Agostino Steffani seine letzte Ruhe. Bei Bauarbeiten fand man 1953 einen Steinsarkophag, in dem sich unter anderem ein Bischofsstab und ein Holzkelch befanden. Dadurch konnten die sterblichen Überreste dem Titularbischof von Spiga zugeordnet werden. Das neue Epitaph stifteten „die dankbaren Katholiken Hannovers“, es zeigt die St. Clemens-Kirche.

Kurz vor seinem Tod hatte der Musiker Steffani noch einmal eine ganz besondere Ehre erhalten: In London hatte sich eine Gesellschaft zur Pflege Alter Musik gegründet, eine „Academy of Vocal Musick“, und sie hatte questo St. Agostino [della] Musica gebeten, die Ehrenpräsidentschaft zu übernehmen.48 Und Agostino Steffani schrieb ganz am Ende seines Lebens frei von Aufträgen und äußerem Druck noch einmal ein letztes großes Werk, sein reifstes und das am meisten beeindruckende, ein Stabat mater voller Schmerz und Schönheit. Und dann, ganz am Ende, eine klare, leuchtende Fuge, eine einzelne hohe Stimme zunächst, dann immer mehr, schließlich die Instrumente, eine Melodie, die man einmal gehört nicht mehr vergisst: fac ut animae donetur paradisi gloria …

Literatur

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1

Vgl. Croll 2018, S. 273 ff., Kohl 1998, S. 199–208.

2

Vgl. etwa Chrysander 1919, S. 313.

3

Vgl. Einstein 1910, S. 5.

4

Kaufold 1997, S. 13 f.

5

Kaufold 1997, S. 14.

6

Kaufold 1997, S. 14 f.

7

Eitner 1893, S. 551.

8

Einstein 1910, S. 21. Archivalisch lässt sich Steffanis Reise nicht belegen, der Bericht geht zurück auf den bayerischen Gesandten in Turin, Schalck, vgl. Kaufold 1997, S. 16.

9

Kaufold 1997, S. 17.

10

Vgl. dazu Leibniz, Sämtliche Schriften und Briefe Band 5, S. 80 f.: Brief Steffanis an Leibniz vom 4.4.1688.

11

Kaufold 1997, S. 22.

12

Kaufold 1997, S. 23.

13

Croll 2018, S. 75 f.

14

Croll 2018, S. 76–79, zur Reorganisation der Hofkapelle und dem Opernhaus in Hannover ebd. S. 79–90.

15

Die Instrumentalmusik, die fast ausschließlich aus französischen Musikern bestand, leitete der aus Grenoble stammende und mit Steffani fast gleichaltrige Geiger Jean Baptiste Farinelli, vgl. Croll 2018, S. 80.

16

Vgl. Croll 2018, S. 90–99, Schnettger 2014, S. 209–224. Die Oper ist in Hannover zum 300. Jubiläum der Eröffnung des Opernhauses wieder auf die Bühne gebracht worden, vgl. Fürst-Heidtmann 1989, S. 33 f.

17

Zu ihm vgl. den Beitrag von Hans-Walter Stork in diesem Band.

18

Chrysander 1919, S. 317.

19

Rose 2017.

20

Croll 2018, S. 120.

21

Solch ein Amt, wie Steffani es in Brüssel übernommen hatte, wurde für gewöhnlich immer mit Adligen besetzt, ein ehemaliger Musiker bürgerlicher Herkunft fällt hier völlig aus dem Rahmen. Auch im Hinblick auf andere Merkmale – katholisch, aus dem Ausland stammend – fällt er aus dem Rahmen. Vgl. Kaufold 2017, S. 157 f., sowie allgemein zu den Anforderungen an einen Diplomaten und zur Qualifikation Steffanis vor diesem Hintergrund Kaufold 1997, S. 80–85.

22

Kurfürstin Sophie schildert etwa, wie ihre Tochter, die damalige Kronprinzessin von Preußen, mit Max Emmanuel Duette sang, am Cembalo begleitet von Steffani, der einmal ganz zu Beginn seiner diplomatischen Laufbahn eine Hochzeit zwischen den beiden hatte vermitteln wollen. Vgl. mit den Quellenbelegen bei Croll 2018, S. 126.

23

Croll 2018, S. 126–128, zu Steffanis Tätigkeit als Diplomat vgl. auch Kaufold 1997 passim.

24

Steffani stand zwar formal immer noch als Kapellmeister auf der Gehaltsliste des hannoverschen Hofes, eine solche Tätigkeit hätte gegenüber seinem vorherigen Amt aber einen deutlichen Rückschritt in der höfischen Hierarchie bedeutet. Diplomaten seines Ranges wurden nach dem Ende ihrer Laufbahn gewöhnlich hohe Hofbeamte, etwa mit einer Stelle im Geheimen Rat. Ein solcher Posten stand für einen Nicht-Adligen aber nicht zur Diskussion. Somit gab es für ihn in Hannover schlicht keine (standesgemäße) Aufgabe mehr. Vgl. Kaufold 2017, S. 166 f.

25

Croll 2018, S. 130.

26

Croll 2018, S. 131.

27

Zu „Arminio“ und zum „Tassilone“ vgl. ausführlich Croll 2018, S. 144–156.

28

Zu Steffanis Romreise, auf der er aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit dem eine Generation jüngeren Georg Friedrich Händel zusammentraf, vgl. Croll 2018, S. 156–164.

29

Die Gründe für diese Entscheidung sind unbekannt, neben dem Gedanken an materielle Versorgung durch kirchliche Pfründe mögen etwa auch die Eindrücke des mehrmonatigen Romaufenthaltes eine Rolle gespielt haben, wo er an der Kirchenmusik im Petersdom und den päpstlichen Basiliken mitgewirkt hatte, Umgang mit Geistlichen gehabt hatte und die Kunst und Kultur des päpstlichen Rom in seiner höchsten Blüte erlebt. Wenig plausibel scheint die Vermutung von Schönecker 1963/64, S. 12, der die religiöse Stimmung des Elternhauses für den Entschluss, Priester werden zu wollen, verantwortlich macht: Steffani verließ sein Elternhaus ja bereits im Kindesalter. Vgl. dazu Kaufold 1997, S. 15 f.

30

Steffani verfügte allerdings bereits seit 1683 über kirchliche Pfründeneinnahmen als Titularabt von Löpsingen nahe Nördlingen in der schwäbischen Grafschaft Öttingen-Wallerstein. Auch wenn Steffani so gut wie nie dort anwesend war, brachte ihn diese Sinekure zum einen über die Grafenfamilie von Öttingen-Wallerstein, die die Hälfte des Honorars zu zahlen hatte, bereits in Kontakt mit den wichtigen Familien des süddeutschen Reichskirchen-Adels – die Öttingen-Wallerstein waren nicht zuletzt mit den Schönborn durch vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen verbunden – sowie zum anderen mit dem Problemfeld der Konfessionalisierung, war der Pfarrort Löpsingen doch gänzlich evangelisch, wie Steffani in einem Brief von 1683 konstatiert: „Hebbi à crepar dalle risa l´altro giorno quando mi diedero il possesso della mia chiesa luterana, ò Evangelica, Protestante come ella vuole.“ Vgl. dazu Kaufold 1997, S. 16 f. (dort auch das Zitat), Einstein 1910, S. 26.

31

Pegah 2017, S. 169–173.

32

Das hätte faktisch eine Bistums-Neugründung unter der Kontrolle des Landesherren bedeutet, an der der Kurie aus mehreren Gründen nicht gelegen sein konnte. Vgl. Feldkamp 2017, S. 188.

33

Feldkamp 1992, S. 237.

34

Croll 2018, S. 134.

35

Feldkamp 1992, S. 237, sein neugeschaffener Amtsbezirk wurde als Apostolisches Vikariat Ober- und Niedersachsen bezeichnet und bestand bis 1780. Die Zuständigkeit für die katholischen Gemeinden in den dänischen und schwedischen Gebieten, einschließlich der wichtigen Städte Bremen, Hamburg, Altona und Schwerin behielt der bisherige Vikar, der Osnabrücker Weihbischof Otto Wilhelm von Bronckhorst-Gronsfeld.

36

Eine Abbildung der Kirche schmückt Steffanis von den „dankbaren Katholiken Hannovers“ gestiftete Grabplatte im Frankfurter Dom. Zum insgesamt acht Jahre sich hinziehenden und mit vielen finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten verbundenen Bau der Kirche vgl. Kaufold 1997, S. 52 f., Nöldeke 1932, S. 180–191 und Funke 2000. Die Kirche ist 1943 komplett zerstört worden, in veränderter Form aber wieder aufgebaut.

37

Kaufold 1997, S. 54.

38

Zwischen dem Abschied des letzten Weihbischofs Nils Stensen und Steffanis Ankunft liegen 27 Jahre, in denen es keinen Weihbischof in Paderborn gab. Zu den Paderborner Weihbischöfen vgl. Evelt 1869, dort S. 128 f. auch ein Abschnitt über „Augustin Stephani“, Brandt/Hengst 1986, die Steffani nicht erwähnen, sowie diess. 2007.

39

Vgl. grundlegend zum Bischofsideal des Trienter Konzils Jedin 1966, zum sogenannten Residenzproblem vgl. v.a. S. 95 ff., sowie zur Umsetzung dieses Ideals in der Reichskirche des 17. und 18. Jahrhunderts Braun 2013, S. 224–229.

40

Vgl. als Überblick zu Bischof Franz Arnold Brandt/Hengst 1984, S. 263–266 und Keinemann 1968, sowie zu seiner Wahl in Münster Wiens 1843 – diese Wahl, in der Franz Arnold sich als Kandidat einer anti-kaiserlichen Partei gegen den Gegenkandidaten Karl Joseph von Lothringen durchsetzte, hätte ihrer Komplexität und ihrer politischen Implikationen wegen einmal eine neuere und eigene Beschäftigung verdient. Vgl. dazu auch Wolf 2000.

41

Braun 2017, S. 204.

42

Feldkamp 2017, S. 192.

43

Croll 2018, S. 178.

44

Braun 2013, S. 305.

45

Braun 2017 auf Grundlage der erhaltenen Weiheregister in den Bistumsarchiven in Münster und Paderborn.

46

Croll 2018, S. 174 mit dem Wortlaut der entsprechenden Briefe.

47

Der Kölner Nuntius berichtete nach Rom: „Il vescovo di Spiga essendo stato sorpresso qualche giorno prima da un fiero attacco di apoplesia, aveva reso l’anima al Signor Iddio […] nonostante la cura de’medici più accreditati di quella città, i quali avendo messo in opera i medicamenti anche più forti per sollevarlo non avevano punto profittato, mag li è convenuto cedere alla vehemenza del male“. Kaufold 1997, S. 73 f.

48

Croll 2018, S. 177.

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Leben am Hof zu Neuhaus

Biografische Skizzen zur Hofkultur einer fürstbischöflichen Residenz

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