Freier Zugang

Wissenschaftliche Arbeit hat zwei Richtungen. Unabdingbar ist die Einzelforschung, die das Detail immer weiter aufschließt und bearbeitet. Jedoch ebenso wichtig scheint der Versuch, die Ergebnisse der Einzelforschung zu einem Gesamtbild zu vereinen.

Diese Arbeit will eine historische Ikonologie der christlichen Kunst geben. Sie gliedert sich in vier Teile; Alte Kirche, Mittelalter, Neuzeit, Ostkirche. Da die Prinzipien meines Vorgehens und meiner Deutung keineswegs selbstverständlich sind, erläutere ich sie einleitend. Eine ausufernde populärwissenschaftliche Literatur, ein prinzipienloses Hereintragen eigener Gedanken in das Bildwerk, katechetisches Bemühen, aber auch zunehmende Unkenntnis biblischer und kirchlicher Traditionen lassen Deutungen weithin zur Willkür werden.

Wandel vollzieht sich in der Geschichte. So folgt dieses Werk auch nicht herkömmlichen Schemata von Ikonographien, weder dem klassischen dreiteiligen Aufbau „Altes Testament – Neues Testament – Heilige“, noch der alphabetischen Ordnung „Von Aaron bis Zypresse“, sondern versucht, die Geschichte des Bildes in der christlichen Kirche nachzuzeichnen.

Meine Literaturangaben bringen, so hoffe ich, das Wichtigste zum Thema, aber auch die Nachweise für das, was ich im Text behaupte. Natürlich baue ich auf der Kenntnis vieler Einzeluntersuchungen auf. Eine vollständige Bibliographie hätte den Rahmen gesprengt. Sie ist leicht andernorts zu finden. Auch den Hinweis auf Lexikonartikel habe ich in der Regel unterlassen. Der Leser wird die Artikel selbst finden.

Ich habe mich bemüht, die Mitte zwischen Dokumentation und geläufiger Literatur zu halten, die es dem Leser möglich macht, sich von nicht in Abbildungen wiedergegebenen Werken eine Anschauung zu machen. Bevorzugt wurden Werke, die katalogartig benutzt werden können.

Ebenso habe ich in der Regel auf Anmerkungen verzichtet und mich zu einer eher lexikonartigen Darstellung entschlossen. Auch Anmerkungen hätten den Rahmen gesprengt.

Abseits von Büchern, in denen aus all dem jemals Vorgetragenen ein bunter Teppich von Zitaten gewebt wird, meine ich, daß es einen Fortschritt im Verstehen, d. h. in der Forschung, gibt. Bestimmte Meinungen sind überholt und müssen nicht mehr berücksichtigt werden. Daß ich dabei auf meine eigenen Arbeiten zurückgreife, in denen ich Klärungen versucht habe, ist selbstverständlich. Natürlich habe ich auch Ergebnisse anderer dankbar zur Kenntnis genommen. So wird es im Folgenden darum gehen, Sachverhalte zusammenzutragen, die derzeit als einigermaßen gesichert gelten können, und daraus ein Bild der historischen Entwicklung zu zeichnen.

Vorangestellt ist den einzelnen Teilen ein historischer Abriß, z. T. bereits mit Hinblick auf die Folgen für die Ikonologie. Dieser Abriß kann nicht eine eigentliche Geschichte dieser Zeit ersetzen. Vielmehr geht es darum, die Aussagen über die bildkünstlerische Entwicklung nicht ganz ohne Bezug auf die umgebende Wirklichkeit zu lassen.

Das Werk ist in Jahrzehnten gewachsen. Lücken sind meinem Alter geschuldet, aber auch der Auflösung meines Arbeitsinstrumentes, des Victor-Schultze-Instituts für Christliche Archäologie und kirchliche Kunst an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (1884-2016).

Dank gebührt dem Verlag Ferdinand Schöningh und vor allem dem beharrlichen Drängen von Herrn Dr. Hans-J. Jacobs.

Herr Dr. Arvid Hansmann hat sich um die technischen Fragen der Abbildungen und um die Probleme des digitalen Manuskriptes gemüht: Auch ihm gilt mein Dank.

Hans Georg Thümmel