Die Provokation des Anthropozäns

In: Provokationen der Technikgeschichte
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Helmuth Trischler
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Fabienne Will
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Als der Atmosphärenchemiker Paul Crutzen und der Limnologe Eugene F. Stoermer im Jahr 2000 in einem Newsletter der internationalen Geosphären- und Biosphärenforschung erstmals den Begriff des Anthropozäns zur Sprache brachten, traten sie eine wissenschaftliche Debatte los, die rasch an Dynamik gewann und mittlerweile wie kaum ein anderes Thema in großer Breite diskutiert wird.1 Hätten die beiden Wissenschaftler das geahnt, hätten sie ihren Vorschlag nicht in einem internen Newsletter, sondern in einer renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. Das holte Crutzen zwei Jahre später nach, als er in einem einseitigen Artikel zur Geologie der Menschheit in der Zeitschrift Nature knapp und präzise seine These darlegte: Der Mensch sei durch seine Eingriffe in die Erde in einem so hohen Ausmaß zu einem geologischen Faktor geworden, dass es der Ausrufung einer neuen erdwissenschaftlichen Epoche bedürfe, um diese Entwicklung begrifflich zu spiegeln. Dieses neue Zeitalter des Menschen, das Anthropozän, habe mit der Industriellen Revolution im späten 18. Jahrhundert begonnen. Die Menschheit werde für Jahrtausende der vorherrschende Faktor in der Umwelt sein.2

Stoermer hatte den Begriff des Anthropozäns informell bereits seit den 1980er Jahren benutzt. Es blieb aber Crutzen vorbehalten, ihn mit seiner Reputation als Entdecker des Ozonlochs und Nobelpreisträger zu popularisieren. Crutzen hatte im Jahr 2000 auf einer Tagung im mexikanischen Cuernavaca, nachdem der Konferenzleiter immer wieder das Holozän als die gegenwärtige geologische Epoche erwähnt hatte, die Geduld verloren und spontan ausgerufen, dass wir doch längst im Anthropozän leben würden. Seither hat er die Geschichte im Heureka-Narrativ eines spontanen Geistesblitzes mehrfach erzählt, und Will Steffen, der die Tagung in Cuernavaca leitete, hat sie gleichsam authentifiziert und damit einen attraktiven Gründungsmythos des Anthropozäns kodifiziert.3

Heute hat die Diskussion um das Zeitalter des Menschen den Rahmen der Bio- und Geowissenschaften längst gesprengt und ist, wie manche kritisieren, zur wissenschaftlichen „Pop Culture“ geworden.4 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vieler Disziplinen führen mittlerweile ebenso intensive wie kontroverse Debatten um das Anthropozän, und dies nicht nur in den Naturwissenschaften. Bemerkenswerterweise sind es die Geistes- und Sozialwissenschaften, die auf breiter Front in die Diskussion um ein von der Menschheit geprägtes Zeitalter eingestiegen sind. Das kann nur auf den ersten Blick verwundern, denn schon der Begriff selbst verweist darauf, dass hier nichts weniger als anthropologische Grundfragen verhandelt werden – dies freilich, wie zu zeigen sein wird, in einer neuen Konstellation, die insbesondere durch die Verknüpfung von geologischen und historischen Zeitdimensionen gekennzeichnet ist.

Zudem hat das Anthropozän den Raum der Wissenschaft längst verlassen und wird auch in den Medien und der Öffentlichkeit breit diskutiert. Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde, die weltweit erste große Ausstellung zum Thema, die das Deutsche Museum und das Rachel Carson Center for Environment and Society gemeinsam realisiert haben, ist nur ein Beispiel dafür, wie weit der Begriff heute in der Öffentlichkeit verbreitet ist.

Wie bereits vielfach konstatiert worden ist, sprechen wir mittlerweile nicht mehr von einem, sondern von vielen Anthropozän-Konzepten, die jeweils ganz unterschiedlich gefüllt werden.5 Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird das Anthropozän in eine Vielzahl von methodischen, theoretischen und konzeptionellen Debatten integriert, was sich auch darin zeigt, dass bereits zahlreiche Hybridbegriffe geprägt worden sind, darunter besonders prominent das „Kapitalozän“.6 Die französischen Wissenschaftshistoriker Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz differenzieren den Begriff in nicht weniger als einem halben Dutzend Unterkategorien aus, die vom „Thermozän“ bis zum „Phagozän“ reichen.7

Im Folgenden wird erstens die multipolare Debatte über das Anthropozän in groben Zügen entfaltet. Zweitens wird die maßgebliche Rolle von Technik für die Periodisierung des Anthropozäns herausgearbeitet. Drittens werden Konzepte wie Technosphäre und Technozän diskutiert, die bereits in ihrer Begrifflichkeit den analytischen Anspruch signalisieren, die lange Gegenwart als eine von Technik nicht nur geprägte, sondern dominierte Periode zu fassen. Viertens werden exemplarische Ansätze der Technik- und Umweltgeschichte vorgestellt, die basierend auf dem Anthropozänkonzept etablierte Temporalitäten kritisch auf den Prüfstand stellen und neue Narrative entwickeln. Ein kurzes Fazit resümiert, fünftens, die Provokation des Anthropozäns und formuliert mögliche Antworten aus technikhistorischer Sicht.

1. Anthropozän – Die Genese einer multipolaren Debatte

Analytisch lässt sich die multipolare Anthropozändebatte in drei Hauptdiskursstränge aufgliedern: in die Debatte um das Anthropozän als geologisches Konzept, in die Debatte um das Anthropozän als kulturelles Konzept und in die Debatte um das Anthropozän in Medien, Kultur und Öffentlichkeit. Diese Debatten in den unterschiedlichen Feldern sind eng miteinander verwoben und beeinflussen sich wechselseitig.

1.1 Das Anthropozän als geologisches Konzept

Die fachwissenschaftliche Diskussion um das Anthropozän als geologischen Terminus geht weit vor die Begriffsbildung durch Crutzen und Stoermer zurück. Sie ist so alt wie das Phänomen selbst, dessen Beginn die beiden Wissenschaftler auf das späte 18. Jahrhundert datieren, als beispielsweise der französische Naturforscher Georges-Louis de Buffon den Gegensatz von originaler und vom Menschen zivilisierter Natur unterstrich und beobachtete, dass die gesamte Erde bereits Spuren menschlichen Einflusses aufwies.8 Im 19. und 20. Jahrhundert nahmen zahlreiche Forscher den Begriff des Anthropozäns vorweg, besonders markant der Biologe Hubert Markl, der in den 1980er Jahren das „Anthropozoikum“ angebrochen sah. Markl sah keine Datierungsschwierigkeiten und ging davon aus, dass die neue Ära, die sich insbesondere auch durch einen massiven Verlust an Biodiversität auszeichne, bereits begonnen habe.9 Er sollte sich allerdings täuschen, denn so sehr sich die Proponenten des Anthropozäns darin einig sind, dass die Menschheit mit ihrer hochentwickelten Technik der dominante geologische Akteur ist und für lange Zeit bleiben wird, so wenig Einigkeit herrscht in der Frage, wo der Beginn der neuen Epoche anzusetzen ist. Für Crutzen und Stoermer war um die Jahrtausendwende noch unstrittig, das Anthropozän auf die industrielle Revolution, den Beginn einer fundamentalen Technisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, zu datieren. Eine jüngste Metastudie identifiziert jedoch nicht weniger als neun Periodisierungsvorschläge, die ernsthaft diskutiert worden sind. Sie liegen zwischen dem Beginn der Neolithischen Revolution vor rund 11.700 Jahren und dem Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffentests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser von 1963.10

Der geowissenschaftliche Diskursstrang hat seinen institutionellen Kern in der Anthropocene Working Group (AWG), einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, die der Subcommission on Quaternary Stratigraphy zu berichten hat. Letztere wiederum berichtet an die International Commission on Stratigraphy und diese an die International Union of Geological Sciences. Erst wenn dieser vierzügige Instanzenweg erfolgreich durchlaufen ist, gilt ein neues erdgeschichtliches Zeitalter als angenommen. Und selbst dann geschieht dies in zahlreichen Fällen noch unter dem Vorbehalt einer endgültigen Verifizierung stratigrafischer Evidenz. Dies galt bis vor wenigen Jahren auch noch für das Holozän, das über Jahrzehnte hinweg nur Geltung beanspruchen konnte „by convention rather than fully explicated stratigraphical principles“.11

Als Expertengremium ist die AWG mit der Aufgabe betraut, Datierungsvorschläge auf ihre wissenschaftliche Evidenz hin zu prüfen und basierend auf eigenen stratigrafischen Untersuchungen einen plausiblen Periodisierungsentwurf vorzulegen. Dabei orientiert sie sich an einem festgelegten stratigrafischen Kriterienkatalog, von dem für eine Aufnahme des Anthropozäns in die geostratigrafische Zeitskala drei Hauptkriterien erfüllt sein müssen:

  • eine synchrone Basis, die überall auf der Welt zur gleichen Zeit auftritt und ein Ereignis widerspiegelt, das vor der Definition festgelegt wurde.

  • eine bestimmte Position in den Sedimentablagerungen, die diese synchrone Basis definiert, üblicherweise in Form eines Global Boundary Stratotype Section and Point (GSSP), bekannt als golden spike.

  • ein bestimmter Rang in der stratigrafischen Hierarchie (Stadium, Phase, Abschnitt, Ära, Periode, Epoche).

Die Arbeitsgruppe geht dabei zentralen geowissenschaftlichen Fragen des Anthropozäns nach: Lässt sich der menschliche Einfluss auf die Erde als messbare Signale in geostratigrafischen Formationen ablesen? Unterscheidet sich die Welt des Anthropozäns merklich von der stabilen Epoche des Holozäns der letzten 11.700 Jahre, in der sich die menschliche Kultur entwickelt hat? Und wo liegt die zeitliche Untergrenze des Anthropozäns?

Die vorläufige Antwort auf diese und weitere Fragen findet sich in einem in der Zeitschrift Science publizierten Artikel, der den programmatischen Titel trägt: The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene.12 Die Arbeitsgruppe hat stratigrafische Signaturen ermittelt, die neu sind oder deutlich außerhalb der gewöhnlichen Holozän-Variation fallen. Darunter sind Materialien wie etwa elementares Aluminium, Beton, Plastik oder Kohlenstoffpartikel, Veränderungen in den Prozessen der Sedimentbildung etwa durch Euthrophierung und Sedimentabfang hinter Staudämmen und durch Atombombentests ausgebrachte Radionuklide in Sedimenten und Eis.

Doch ob die Subcommission on Quaternary Stratigraphy dem Vorschlag, das Anthropozän um die Mitte des 20. Jahrhunderts beginnen zu lassen, zustimmen und an die nächsthöhere Instanz, die International Commission on Stratigraphy, weiterleiten wird, gilt keineswegs als ausgemacht. Im Gegenteil, ein von Martin J. Head, dem Vorsitzenden der Subcommission, kürzlich publizierter programmatischer Artikel formuliert Skepsis. Den wenigen Vorteilen der Definition einer neuen erdgeschichtlichen Ära stünden vielfache Nachteile entgegen: Die Epoche des Holozäns würde abgeschnitten, und einen solchen Fall hat es in der gut zweihundertjährigen Geschichte der Erdwissenschaften noch nie gegeben. Die gesamte geowissenschaftliche Zeitskala würde verstümmelt, und eine Flut von Literatur zum Holozän stünde der neuen Epoche entgegen.13

Die Einwände reichen von fachwissenschaftlichen Argumenten, etwa der Infragestellung der Langzeitdauer potentieller Grenzmarker wie der Radionuklidenschicht in der Atmosphäre, die aus dem Einsatz und der Erprobung von Atombomben resultiert, bis zu moralischen und standespolitischen Bedenken: Ein Intervall in der Erdgeschichte erstmals nicht nur nach einer einzigen Art, sondern nach einer Art, die wir selbst sind, zu benennen, würde die Hybris stärken, die wir überwinden müssen, wenn wir ein ökologisch robusteres Anthropozän schaffen wollen.14 Der amtierende Vorsitzende der International Union of Geological Sciences, Stanley C. Finney, befürchtet gar eine Politisierung seiner Disziplin, denn letztlich gehe es in der Anthropozändebatte nicht um wissenschaftliche Fragen, sondern um „a political statement“.15

1.2 Das Anthropozän als kulturelles Konzept

Geschichte und Literaturwissenschaften, Politologie und Soziologie, Philosophie und Anthropologie sind die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachgemeinschaften, in denen das Anthropozän als kulturelles Konzept besonders intensiv diskutiert wird. Wie intensiv die Debatte geführt wird, zeigt sich auch darin, dass neben zwei naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften zum Anthropozän (Elementa. Science of the Anthropocene und Anthropocene) mit The Anthropocene Review mittlerweile auch ein Journal existiert, das sich vornehmlich an die Geistes- und Sozialwissenschaften richtet. Das Bild hinge kräftig schief, würde man nicht hinzufügen, dass mittlerweile viele weitere Fachgemeinschaften eine vitale Debatte um das Anthropozän führen, etwa die Rechts- und Religionswissenschaften.16

Das Anthropozän lässt etablierte Grenzlinien auf vielen Ebenen unscharf werden. Genau darin liegt dessen zentrale Bedeutung als kulturelles Konzept. Der französische Philosoph und Wissenschaftssoziologe Bruno Latour geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt nicht nur die moderne Dichotomie von Natur und Kultur in Frage, sondern deren Existenz als separierte Kategorien überhaupt: „The point of living in the epoch of the anthropocene is that all agents share the same shape-changing destiny. A destiny that cannot be followed, documented, told, and represented by using any of the older traits associated with subjectivity or objectivity. Far from trying to ‚reconcile‘ or ‚combine‘ nature and society, the task, the crucial political task, is on the contrary to distribute agency as far and in as differentiated a way as possible – until, that is, we have thoroughly lost any relation between those two concepts of object and subject that are of no interest any more except patrimonial.“17 Die Qualität des Anthropozäns, etablierte Kategorien und Grenzen infrage zu stellen, zeigt sich bereits in der Arbeitsgruppe selbst. Denn interessanterweise sind an deren fachwissenschaftlichen Debatten nicht nur Geowissenschaftler, Erdsystemforscher und Ozeanografen beteiligt. Unter ihren 37 Mitgliedern finden sich auch der Rechtswissenschaftler Davor Vidas, der Anthropologe Bronislaw Szerszynski, der Umwelthistoriker John R. McNeill und die Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes. Mit Andrew C. Revkin, langjähriger Wissenschaftsjournalist der New York Times, gehörte bis vor kurzem auch ein Experte für öffentliche Wissenschaftskommunikation zu diesem interdisziplinären Zirkel.

Deutlicher noch als in den Geowissenschaften melden sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften kritische Stimmen zu Wort. Während die einen den analytischen Mehrwert gegenüber etablierten Konzepten bezweifeln, das Verhältnis von Natur und Kultur sowie Umwelt und Gesellschaft zu bestimmen, hegen andere eine noch tiefergehende Befürchtung. Die Benennung einer neuen geowissenschaftlichen Epoche nach dem Menschen würde dem grassierenden Anthropozentrismus massiven Vorschub leisten und die menschliche Achtung des moralischen Eigenwerts der Natur weiter schwinden lassen.18 Zudem werden aus der Anthropologie kritische Stimmen laut. Obwohl nur kleine Gruppen von Menschen in Industrieländern in massiver Form für die Umweltprobleme der Moderne verantwortlich seien, werde – unter Rückgriff auf den anthropos als kulturelle Entität – die gesamte Menschheit für verantwortlich erklärt. Anstatt dringend notwendige soziale und politische Veränderungen zu stimulieren, verschleiere der Begriff die Zuschreibung konkreter Verantwortlichkeiten – eine Verantwortung, die eng mit kapitalistischen Interessen in Zusammenhang stehe.19

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Das Anthropozänkonzept braucht kaum etwas dringender als eine konstruktiv-kritische Debatte um seine Leistungsfähigkeit. Und hier ist die Technikgeschichte mit ihrem scharfen Blick für das Verhältnis von Mensch und Technik und die Rückwirkungen der vom Menschen geschaffenen Technik auf Umwelt und Gesellschaft wie kaum eine andere Disziplin dafür prädestiniert, sich kritisch in die Anthropozän-Debatte einzubringen. Der meist allein auf den Begriff abhebende Vorwurf einer Verstärkung des Anthropozentrismus aber verkennt den normativen Fluchtpunkt des Konzepts in fundamentaler Weise. Im Anthropozän geht es gerade nicht um die Bekräftigung der Dichotomie von Natur und Kultur, die sich im Verlauf der Moderne herausgebildet hat, sondern um eine kritische Infragestellung des daraus resultierenden Anthropozentrismus. Nicht von ungefähr findet das Anthropozän als kulturelles Konzept bei Vertretern posthumanistischer Ansätze besonders hohe Resonanz. Das Verwischen der Grenzen zwischen Natur und Kultur stattet nicht-menschliche Akteure mit Handlungsmacht aus – im offenen Raum des Posthumanismus werden hybride Formen der Existenz sichtbar. Solchermaßen verstanden eröffnet das Anthropozän letztlich einen veränderten Blick auf den Menschen und seine vermeintliche Einzigartigkeit auf der Erde.20 Der Mensch wird, in den Worten der Literaturwissenschaftlerin und posthumanistischen Vordenkerin Ursula Heise, zum Bestandteil „von Netzwerken verteilter Handlungsträger“, die Tiere und Pflanzen ebenso einschließt wie chemische Substanzen und technische Objekte.21 Das Anthropozänkonzept in posthumanistischer Perspektive verstanden, bedeutet, sich bewusst zu werden, dass die Menschen in dieses Netzwerk unentrinnbar eingebunden sind, zu jedem Moment und in all ihren Handlungen.

Als besonders kontrovers hat sich die These von einem „guten Anthropozän“ erwiesen. Ihre Verfechter, darunter Erle C. Ellis, Mitglied der Anthropocene Working Group, lassen sich von der Hoffnung leiten, dass „knowledge and technology, applied with wisdom, might allow for a good, or even great, Anthropocene”. Ein gutes Anthropozän erfordere, „that humans use their growing social, economic, and technological powers to make life better for people, stabilize the climate, and protect the natural world”.22 Technikhistorikerinnen und -historiker sind solche Glaubensbekenntnisse in den Technofix nur allzu vertraut. Der Rekurs auf die säkularisierte Heilsgewissheit von Naturwissenschaft und Technik zählt, wie unter anderem Ulrich Wengenroth betont hat, zu den Leitideen der Moderne.23 Für Thomas Hänseroth ist das Fortschrittsversprechen von Technik nicht weniger als das Signum der Epoche der „Technokratischen Hochmoderne“, die mit dem Einsetzen der zweiten industriellen Revolution um etwa 1880 begann und mit der tiefen Zäsur um 1970 auslief.24 Für James C. Scott ist der Technofix des „high modernism“ noch längst nicht zu Ende gekommen, und in der Tat zeigt die Debatte um das „gute Anthropozän“, wie tief der Glaube in die Heilskraft von wissenschaftlicher und technischer Kreativität im kulturellen Haushalt moderner Gesellschaften verankert ist und dass er zyklisch wiederkehrt.25

Kritiker befürchten, dass ein so weitgehendes Vertrauen in die Fähigkeit von Technik, die negativen Folgen menschlicher Eingriffe in die Erde zu überwinden und die Natur gleichsam zu heilen, den Weg für fragwürdige Konzepte des Geoengineering ebnen würde.26 Sie können darauf verweisen, dass vor einigen Jahren kein anderer als der ‚Vater‘ des Anthropozäns selbst, Paul J. Crutzen, aus Verzweiflung über den fortschreitenden Klimawandel vorgeschlagen hat, 1,5 Millionen Tonnen Schwefeldioxidpartikel in die Atmosphäre zu injizieren, um das Sonnenlicht zu reflektieren und so die globale Erwärmung zu stoppen.27 Dafür wurde er massiv kritisiert. In Folge solcher Diskussionen über technische Eingriffe, bei denen die langfristigen Folgen für Klima und Erde völlig unbekannt sind, hat die Idee des Anthropozäns für viele einen bitteren Nachgeschmack erhalten.

Wie eng der Glaube in die Umweltheilungskräfte der Technik mit handfesten Wirtschaftsinteressen verbunden ist, zeigt das im April 2015 veröffentlichte Ökomoderne Manifest. Zu den Autoren dieser Theodizee der Technik zählen neben Erle C. Ellis auch Michael Shellenberger und Ted Nordhaus, Gründer des Breakthrough Institute, einer konservativen US-Denkfabrik mit engen Verbindungen zur Industrie. Sie haben sehr kontroverse Bücher veröffentlicht, in denen sie das Ende der Umweltbewegung vorhersagen, sich gegen Klimaverhandlungen stellen und sich für eine Fortsetzung der Nutzung von Kernenergie einsetzen, um das Klima zu schützen und zu stabilisieren.28 Besonders umstritten ist ihr Versuch, die kumulativen Kosten der Kernenergie im Zeitverlauf neu zu berechnen. Dabei greift das Breakthrough Institute auf durch die ökonomische Realität längst widerlegte Thesen wie „there is no inherent cost escalation trend with nuclear power“ und Kernreaktorkosten „rise before they fall“ zurück und bietet politischen Entscheidungsträgern damit eine Rechtfertigung für den Bau neuer Reaktoren an, anstatt sie dazu anzuhalten, sich von der Kernenergie abzuwenden.29

Ellis kritisiert jedoch auch aus einer weiteren Perspektive den Vorschlag seiner Kolleginnen und Kollegen in der Anthropocene Working Group, die Formalisierung des Anthropozäns als geologische Epoche rasch voranzutreiben und die 1950er Jahre als deren Beginn zu privilegieren. Dadurch würden die vielen Jahrtausende früherer menschlicher Einflüsse auf die Erde, von der Nutzung des Feuers bis zum Beginn der Landwirtschaft ignoriert und stattdessen ein eurozentrisches, elitäres und technokratisches Narrativ der Mensch- Umweltbeziehungen fixiert. Er fordert daher, Vertreterinnen und Vertreter der Sozial- und Geisteswissenschaften viel stärker als bisher in die Debatten um das Anthropozän einzubeziehen, konsequent eine historische Langzeitperspektive anzulegen und den gesamten Prozess der Entscheidungsfindung offen und transparent neu aufzusetzen: Denn: „How can a human-centred geological period be defined without characterizing the development of societies, urbanization, colonization, trading networks, ecosystem engineering and energy transitions from biomass to fossil fuels?“30

Hier zeigt sich besonders deutlich, dass es in der kulturellen Debatte um das Anthropozän gleichsam um das Ganze geht: Wie wollen wir künftig wirtschaften, arbeiten und leben? Welche Rolle soll Technik dabei spielen, und welche Technik wollen wir einsetzen, welche nicht? Und welche neuen Narrative brauchen wir dafür, auch und gerade in der Technikgeschichte? Das macht die Debatte so spannend und so relevant für unsere Gegenwart und unsere Zukunft, auch und gerade aus technikhistorischer Perspektive.

1.3 Das Anthropozän als gesellschaftliches Phänomen

Die öffentliche Debatte um das Anthropozän verläuft kaum weniger vielstimmig. Parallel zum Beginn der geowissenschaftlichen Debatte und noch bevor diese in den Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften rezipiert wurde, schaffte es das Anthropozän auf die Titelblätter großer internationaler Zeitungen wie Le Monde, Time Magazine und Der Spiegel. Das erste deutschsprachige Buch zum Anthropozän stammte von dem Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl.31

Mit dem Artikel in Science, in dem die AWG die Zwischenergebnisse ihrer Arbeit zu Beginn des Jahres 2016 veröffentlichte, stieß sie in den Medien auf breite Resonanz. Noch vor der Publikation der Printversion erschienen Online-Beiträge etwa in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Züricher Tagesanzeiger, dem Guardian, der Daily Mail, der Washington Post, dem New Scientist und dem Scientific American, und noch am Tag der Printausgabe berichteten die wichtigsten Medien weltweit darüber, dass die Wissenschaftlergemeinde eine neue erdwissenschaftliche Epoche vorgeschlagen habe. Das Anthropozän wird zu einer kulturell verhandelten Angelegenheit, welche die Grenzen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sprengt.

Auch Museen und Kulturzentren nehmen die Debatte auf und transformieren sie in forschungsbasierte Ausstellungen. Das 2013 vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin gestartete Anthropozän-Projekt hat weltweit großes Aufsehen erregt, eine Vielzahl von vergleichbaren Aktivitäten angestoßen, und es dient bis heute als weltweit genutztes Forum für Anthropozän-Diskurse. Ähnliches gilt für die 2014 eröffnete Ausstellung Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde, die sich international zahlreiche Einrichtungen zum Vorbild genommen haben, um die Anthropozändebatte öffentlich zu verhandeln.32 Aktuell werden weltweit mehrere Dutzend Ausstellungen gezeigt, die in unterschiedlicher Größe und unterschiedlichem konzeptionellem Zuschnitt sich die Idee des Anthropozäns aneignen und öffentlich kommunizieren.

Auch in den Künsten, der Ästhetik und der Kulturtheorie beschränkt sich die Aneignung des Anthropozänkonzepts nicht auf theoretische Diskussionen. Künstlerinnen und Künstler oder auch Architektinnen und Architekten beginnen in ihren praktischen Arbeiten, auf den geologischen Imperativ zu reagieren, die Bedeutung des Begriffs für ihre Arbeit zu diskutieren und sie praktisch zu erproben.33 Das Spektrum der Formate reicht von Tanz- und Theaterinszenierungen über Fashion Shows bis hin zu Comics. Poeten nehmen Inhalte des Konzepts in ihre lyrischen Texte auf und laden Literaturwissenschaftler dazu ein, über solche Umsetzungspraktiken nachzudenken.34

Es ist sicherlich noch zu früh, um verallgemeinernde Tendenzen des öffentlichen Diskurses um das Anthropozän herauszuarbeiten. Gleichwohl fällt auf, dass erstens die Medien – und dabei durchaus nicht nur wissenschaftsnahe Journale, sondern auch die Tagespresse und die Massenmedien – sehr früh die naturwissenschaftliche Debatte aufgreifen und jeweils sehr zeitnah über neue Ergebnisse berichten. Die mediale Repräsentation ist dabei, zweitens, einerseits eng mit der Debatte über den Klimawandel verschränkt, geht andererseits aber weit darüber hinaus und reflektiert interessanterweise auch komplexe epistemologische Fragen wie die der wissenschaftlichen Evidenz für ein neues erdgeschichtliches Zeitalter, das nach dem Menschen benannt ist. Es kann kaum verwundern, dass, drittens, die öffentliche Debatte um das Anthropozän in hohem Maße normativ geprägt ist, die Problemdimensionen des menschlichen Einflusses auf die Erde betont und von der Frage geleitet wird, was sich in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik sowie Gesellschaft ändern müsse, um Umweltprobleme zu lösen bzw. ihre negativen Folgen zu reduzieren. Viertens schließlich fällt auf, wie früh und wie breit Künstlerinnen und Künstler mit ihrem feinen Sensorium für kulturell-gesellschaftliche Veränderungen den Anthropozändiskurs aufgegriffen und als Chance erkannt haben, Wandel anzustoßen.

Die multipolare Debatte, die hier aus analytischen und narrativen Gründen in drei separierten Strängen vorgestellt worden ist, ist in der diskursiven Praxis vielfach miteinander verschränkt, ineinander verwoben und aufeinander bezogen. Sie wird auf der einen Seite im disziplinären Container geführt, wobei eine Vielzahl von Wissenschaftsgemeinschaften vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen fachlichen Frameworks die heuristische und analytische Qualität des Konzepts kritisch überprüft. Sie sprengt auf der anderen Seite aber mit Wucht die disziplinären Grenzziehungen und entwickelt sich in interdisziplinären und transdisziplinären Formaten.

2. Technik und die Periodisierung des Anthropozäns

Wissenschaft und Technik haben für die Herausbildung moderner Gesellschaften eine zentrale Rolle gespielt. Erst die umfassende Technisierung aller Lebensbereiche hat jene Eindringtiefe des Menschen in Natur und Umwelt ermöglicht, die wir heute unter dem Begriff des Anthropozäns als Problem und Chance gleichermaßen diskutieren. Die Debatten um die Datierung des Menschenzeitalters kreisen daher zu einem Gutteil um die Frage nach technikhistorischen Prozessen und deren Wirkung auf Natur und Gesellschaft. Die Suche nach dem Beginn der neuen Epoche gestaltet sich als komplexe Frage, die Elemente von longue durée-Prozessen menschlicher Geschichte mit rezenten Phänomenen verbindet.

Ein erster Datierungsvorschlag, der in dem Paläoklimatologen William F. Ruddiman einen besonders prominenten Vertreter findet, bezieht sich auf den Übergang von mobilen Gesellschaften der Jäger, Sammler und Fischer zu sesshaften, Ackerbau und Viehzucht betreibenden Gesellschaften. Nach heutiger Kenntnis begann dieser vor rund 11.700 Jahren im Nahen Osten im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds und wird mit dem Begriff der Neolithischen Revolution bezeichnet.35 Eine Revolution im Sinn eines abrupten Wandels war dieser Prozess, der rund fünf Jahrtausende dauerte, keineswegs, wohl aber im Sinne einer umwälzenden Veränderung. Die langfristigen Folgen dieser epochalen Zäsur sind von Vertretern zahlreicher Disziplinen, darunter auch der Technikgeschichte, instruktiv herausgearbeitet worden. Erstmals veränderte der vorzeitliche Mensch großflächig Landschaften und griff durch die von ihm kultivierten Nutzpflanzen und domestizierten Wildtiere tief in den Genpool der Natur ein. Der Übergang zu Sesshaftigkeit, Ackerbau und Tier- und Pflanzenzucht ging mit neuen Techniken einher: Das Brennen feuerfester Tongefäße erlaubte die Vorratshaltung von Agrarprodukten. Verbesserte Steinwerkzeuge und bautechnische Innovationen ermöglichten die Anlage fester Siedlungsplätze. Die Erfindung des Pflugs schließlich erleichterte das Aufbrechen der Ackerkrume und steigerte die Produktivität.

Bereits die Neolithische Revolution hat nachweisbare Spuren in der Erdgeschichte hinterlassen. Zahlreiche Befunde aus Pollenforschung, Archäologie, Geologie, Geschichte und Kulturanthropologie stützen die These, dass menschliche Eingriffe in die Landschaft Eurasiens im späten Steinzeitalter begannen und in der Bronze- und Eisenzeit eine neue Qualität gewannen. Nur durch diese menschlichen Eingriffe lässt sich erklären, warum die Konzentration von Kohlendioxid und Methan in der Erdatmosphäre während des mittleren Holozäns (6. bis 3. Jahrtausend v. Chr.) auf anomale Werte anstieg, welche die Schwankungen während der vorausgegangenen Jahrhunderttausende erheblich übertrafen.36 Ruddiman kommt gar auf der Basis der Auswertung der drei verknüpften Indikatoren Waldrodungen bzw. Landnutzung, Treibhausgasemissionen (CO2 und CH4) und globaler Temperaturanstieg zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass die Rodungen in neolithischer Zeit einen größeren anthropogenen Nettoeffekt auf den globalen Temperaturanstieg hatten als in industrieller Zeit.37

Vor gut 200 Jahren setzte eine weitere Revolution ein, in deren Verlauf die Technik und das technische Wissen rasant expandierten: die industrielle Revolution. Ganze Bibliotheken füllt die Debatte darüber, inwieweit man den Prozess einer umfassenden, technikgestützten Industrialisierung, der sich im Pionierland Großbritannien über fast ein Jahrhundert erstreckte, sinnvollerweise als Revolution bezeichnen kann. Im Ergebnis aber wurden die von der Industrialisierung erfassten Gesellschaften auf eine Weise transformiert, die in der Tat umwälzend wirkte. Treiber waren wiederum technische Innovationen. Im Kern wirkten dabei drei Prozesse zusammen: erstens die Maschinisierung der Handarbeit, zweitens die mechanische Energieerzeugung und -umwandlung durch die Dampfmaschine und drittens die massenhafte Förderung bzw. Erzeugung und Verwendung von Kohle und Eisen. Der Vorschlag Paul Crutzens, das Anthropozän mit der Industrialisierung beginnen zu lassen, hat dann auch in der ersten Diskussionsphase um das Konzept besonderen Anklang gefunden.38

Treiber der Industrialisierung war, neben der Mechanisierung des Spinnens und Webens, die Dampfmaschine. Die Dampfkraft löste eine wirtschaftliche und technische Dynamik aus, denn erstmals stand Energie ortsunabhängig zur Verfügung. Als der Bergbau in immer größere Tiefen vordrang, löste die Dampfmaschine das Problem, die Pumpen anzutreiben, die benötigt wurden, um das in die Gruben einströmende Wasser zu entfernen. Die Dampfmaschine wurde mit Kohle befeuert, wodurch wiederum die Nachfrage nach Kohle stieg. Dampfkraft trieb Produktions- und Arbeitsmaschinen in Textil- und Stahlindustrie, Eisenbahn und Schifffahrt an. Waren konnten billiger und in Massen hergestellt werden. Die Industrialisierung kam in Gang. Auch heute noch wird Dampfkraft in Dampfturbinen zur Stromerzeugung in Kraftwerken eingesetzt, aber die Dampfmaschine ist längst durch eine Fülle von Kraft- und Arbeitsmaschinen unterschiedlicher technischer Auslegung wie etwa Heißluftmotoren, Verbrennungskraftmaschinen, die in Form von Otto- und Dieselmotoren insbesondere im Fahrzeugbau zum Einsatz kommen, sowie Gas-, Wasser-, Wind- und Wellenturbinen abgelöst worden.

Technische Neuerungen basierten in der industriellen Revolution selten auf systematischer naturwissenschaftlicher Forschung. Der Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr hat nachgewiesen, dass Großbritannien ein Nettoimporteur von Basisinnovationen war, zugleich aber ein Nettoexporteur von kleinteiligen, inkrementellen Innovationen kreativer Erfinder und Bastler.39 Im Verlauf des 19. Jahrhunderts bildete sich dann jedoch ein tief in die Gesellschaft hineinreichendes technisches Bildungssystem aus, das versierte Instrumentenbauer wie Jesse Ramsden und vielseitige Ingenieure wie Marc Isambard Brunel hervorbrachte, den Konstrukteur der Great Western Railway, der Dampfschiffe Great Western und Great Eastern sowie der damals weltgrößten Brücke Clifton Suspension Bridge. In diesem Sinne schuf bereits diese erste Welle der Industrialisierung auf wissenschaftlich-technischem Wissen basierende Ökonomien, ehe die zweite Welle der Hochindustrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Chemie und Elektrotechnik als Leitsektoren vollends den Durchbruch moderner, auf wissenschaftlich-technischer Expertise beruhender Innovationssysteme brachte.

Wesentlicher, tiefer und ‚nachhaltiger‘ als die Neolithische Revolution wirkte die Industrialisierung auf Umwelt und Gesellschaft ein. Nicht von ungefähr findet sich ein seit den 1830er Jahren mit wachsender Intensität geführter Umweltdiskurs. Die Zeitgenossen begannen zu registrieren, dass sich durch die neue Technik Landschaft und Umwelt und nicht selten die eigenen Lebensgrundlagen tiefgreifend veränderten. Im Umweltdiskurs des 19. und 20. Jahrhunderts ging es um die Wahrnehmung des Wandels von Natur im Verhältnis zur Gesellschaft, aber auch ganz handfest um Konflikte über die Verteilung von natürlichen Ressourcen wie Wasser, Holz, Luft und Boden. Besonders drastisch wirkte dabei der enorme Anstieg des Verbrauchs fossiler Energieträger, der aus dem massenhaften Einsatz von kohlebefeuerten Arbeitsmaschinen resultierte. Schon im 19. Jahrhundert erwarben sich britische Industriestädte wie Manchester, Glasgow und auch London den zweifelhaften Ehrentitel Big Smoke.40 Die Entwicklung der kohlebefeuerten, dampfgetriebenen Eisenbahn war dabei nur eines von zahlreichen Technikfeldern, das auf der Nutzung fossiler Energie basierte. Die rasche Verbreitung der Eisenbahn verlieh ihrerseits der Eisen- und Stahlindustrie einen kräftigen Schub und beschleunigte so die Industrialisierung. Nimmt man den Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre als ebenso einfachen wie signifikanten Indikator, so stieg dieser von einem vorindustriellen Niveau von 270-275 ppm (parts per million) auf 310 ppm um die Mitte des 20. Jahrhunderts an.41

Der Periodisierungsvorschlag der sogenannten Großen Beschleunigung um die Mitte des 20. Jahrhunderts verzichtet zwar auf den Revolutionsbegriff, lässt sich aber in seiner markanten zeitlichen Verdichtung am ehesten als eine revolutionäre Umwälzung fassen. Wie ein internationales Team von Erdsystem- und Klimaforschern unter der Leitung von Will Steffen gezeigt hat, gingen im Verlauf der 1950er Jahre die Kurven für zahllose Parameter von einem linearen in ein exponentielles Wachstum über. Diese charakteristische exponentielle Kurve in Gestalt eines Hockeyschlägers, die berühmte hockey stick curve, lässt sich auf der globalen Ebene für den Verbrauch von Ressourcen wie Erdöl, Wasser und Kunstdünger ebenso nachweisen wie für den Bau von Staudämmen, Automobilen und Telefonen und auch für ökonomische Indikatoren wie den Anstieg des internationalen Tourismus, ausländischer Direktinvestitionen und des Bruttosozialprodukts.42

In stratigrafischer Perspektive zeichnet sich sich demzufolge ein wachsender Konsens ab, den Beginn des Anthropozäns in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu verorten. In der Anthropocene Working Group vertritt aktuell nur eine kleine Minderheit davon abweichende Periodisierungsvorschläge.43

Die hier näher vorgestellten Periodisierungsvorschläge sind nicht nur Ankerpunkte der geochronologischen Debatte um den Beginn des Anthropozäns. Sie haben auch, wie weiter unten gezeigt wird, Historikerinnen und Historiker stimuliert, andere Geschichten als üblich zur Technikentwicklung zu erzählen und neue Zeitlichkeiten in der Verknüpfung von geologischen und historischen Temporalitäten zu entwickeln.44

3. Technosphäre und Technozän – Technikkonzeptionen in planetarer Perspektive

Der Diskurs um die Rolle von Technik für die Epoche des Menschenzeitalters hat sich in den letzten Jahren ausgeweitet und vertieft. Über disziplinäre Grenzen hinweg wird er sowohl in den Natur- als auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften geführt. Eine Schlüsselrolle hat dabei der Begriff der Technosphäre inne, den Peter Haff eingeführt hat. Der Geophysiker, der auch Mitglied der Anthropocene Working Group ist, beschreibt das zunehmend komplexer werdende System von Technik als Technosphäre.45

Wie im Fall des Anthropozäns selbst handelt es sich auch bei der Technosphäre um keine gänzlich neue Idee. Sie baut auf älteren Debatten um Technik auf, von denen einzelne Aspekte aufgegriffen werden. Haff bezieht sich etwa auf die Trope einer autonomen Technik, die Technikphilosophen und -soziologen wie Jacques Ellul und Langdon Winner bereits vor einem halben Jahrhundert zu diskutieren bzw. zu widerlegen begannen.46 Das Oxford Dictionary datiert den Begriff folgerichtig bis in die 1960er Jahre zurück.47

Haff geht davon aus, dass die Prozesse des globalen Wandels, die durch das Anthropozänkonzept gefasst werden, dazu führen, den anthropos als technisches Subjekt zu verstehen. Seine ingeniöse technische Kreativität habe es dem Menschen ermöglicht, tief in den globalen Stoffwechsel einzugreifen. Einen ähnlichen Gedanken – freilich mit völlig anderen Schlussfolgerungen hinsichtlich des Mensch-Umwelt-Verhältnisses – verfolgt der neomaterialistische Ansatz, der Mensch und Kultur nicht als Meister ihrer materiellen Umwelt, sondern als deren Produkte auffasst.48

Die Technosphäre beschreibt Haff in systemkritischer Perspektive als ein neu entstandenes Erdsystem, das aus „the world’s large-scale energy and resource extraction systems, power generation and transmission systems, communication, transportation, financial and other networks, governments and bureaucracies, cities, factories, farms and myriad other ‘built’ systems, […] all the parts of these systems, including computers, windows, tractors, office memos and humans“ besteht; und er zählt auch intermediäre gesellschaftliche Institutionen wie Kirchen und NGOs dazu.49

Im Unterschied zu frühen Verwendungen des Begriffs in den Naturwissenschaften als der vom Menschen durch Technik modifizierten Umwelt geht Haff nicht von der Annahme aus, dass die Technosphäre in erster Linie ein vom Menschen erschaffenes und von ihm kontrolliertes System ist. Das Funktionieren der modernen Menschheit sei vielmehr das Produkt eines Systems, das jenseits individueller und kollektiver Kontrolle operiere und dem menschlichen Verhalten seine eigenen Forderungen auferlege. Die Menschen gelten als essentielle, aber dennoch untergeordnete Teile des Systems.

In dieser Perspektive repräsentiert die Technosphäre als autonomes, dynamisches und globales System eine neue Stufe in der Entwicklung der Erde: Auf einer Ebene mit Lithosphäre, Atmosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre verortet, agiert sie im Einklang mit physikalischen Prinzipien. Eine Reihe von Regeln, die sogenannten six rules, steuern die Beziehung zwischen Technosphäre und Menschheit.50

Als eine dieser Regeln identifiziert Haff Führung und Kontrolle. Die menschliche Fähigkeit, Führung zu übernehmen, gilt als Voraussetzung dafür, Kontrolle über ein System ausüben zu können. Jedoch ist Führung nur möglich, sofern das betreffende System bestimmte einfache Strukturen bereitstellt. Zu realisieren ist dies allein dadurch, dass Systeme so weit vereinfacht werden, dass sie mit den Fähigkeiten des Kontrolleurs übereinstimmen. Da die Technosphäre keine solche einfache Struktur bereitstellt, sind weder Führung noch Kontrolle durch den Menschen möglich. Die Regel der Reziprozität impliziert die Regeln der Unzugänglichkeit sowie der Machtlosigkeit: Der Mensch kann nur mit Systemen der eigenen Größe direkt interagieren, nicht aber mit der ihm an Größe überlegenen Sphäre der Technik. Dass die Technosphäre wie etwa auch die Biosphäre auf einer übergreifenden, komplexeren Ebene verortet ist als der Mensch hat einerseits zur Folge, dass – abgesehen von Ausnahmefällen – das größere das kleinere System nicht beeinflussen kann, ohne zugleich viele andere kleine Systeme mit zu beeinflussen. Andererseits ist die Technosphäre als größeres System nicht direkt empfänglich für jedes singuläre (Fehl-)Verhalten kleinerer Systemteile. Denn wäre dies der Fall, würden Ausnahmefälle zu Regelfällen, und jeder Ausfall eines Teils untergeordneter Systeme könnte eine Kettenreaktion auslösen, resultierend in einem umfassenden Systemausfall.

Somit müssen zumindest einige Handlungen einzelner Systemteile den Stoffwechsel der Technosphäre unterstützen, um deren Funktion aufrechtzuerhalten. Die Beziehung zwischen Technosphäre und Menschheit ist von einem Abhängigkeitsverhältnis gekennzeichnet. Mit der Ermöglichung des Transports von Nahrungsmitteln über weite Distanzen etwa leistet einerseits die Technosphäre einen erheblichen Beitrag zum Überleben großer Bevölkerungsteile. Andererseits tragen die Menschen mit dem Aufbau der Infrastruktur zur Weiterentwicklung der Technosphäre bei. Komplettiert wird das Regelwerk durch den Faktor der Bereitstellung. Die Technosphäre muss eine Umwelt bereitstellen, die es den Menschen ermöglicht, ihre unterstützende Funktion zu erfüllen. Phänomene des Anthropozäns wie Umweltzerstörung, Bevölkerungszunahme und die globale Erwärmung aber führen dazu, dass die Technosphäre möglicherweise daran scheitern wird, der provisional agency51 nachzukommen, von der sowohl die Zivilisation als auch die Technosphäre selbst abhängen.

Wie aber lässt sich erklären, dass wir nach wie vor davon überzeugt sind, relativ losgelöst von den Zwängen der Technosphäre agieren zu können? Haff führt diesen scheinbaren Widerspruch darauf zurück, dass wir in all unserem vermeintlich freien Handeln und Entscheiden den Erhalt der Technosphäre – wenn auch unbeabsichtigt – mit unterstützen. Kurzum, alles menschliche Handeln ist technisches Handeln.

Zwar werden Parallelen zur Tradition der Kulturkritik offenkundig, in letzter Konsequenz aber läuft Haffs Technosphären-Konzept auf nicht weniger als eine grundlegende Neuinterpretation der Technikentwicklung hinaus, freilich ohne diese in eine konkrete temporale, räumliche oder gesellschaftliche Perspektive zu setzen. Die Technikgeschichte und die sozialwissenschaftliche Technikforschung sind sich seit den 1970er Jahren darin einig, dass Technik durch die Gesellschaft geprägt wird. Technische Systeme agieren gerade nicht autonom, sondern sind vom Menschen gestaltet. Wie Technik mit anderen gesellschaftlichen Subsystemen wie Politik und Wirtschaft verknüpft ist, wie Wissenschaft und Technik als Wissens- und Artefaktsysteme interagieren, wie Technikproduktion und Techniknutzung aufeinander bezogen sind – über diese und ähnliche Fragen wird intensiv diskutiert und trefflich gestritten, und es werden insbesondere auch immer wieder neue Konzepte vorgelegt, welche kulturellen Faktoren Technik prägen und wie diese ihrerseits mit Kultur interagieren. Der vorliegende Band reiht sich prominent in diese Agenda ein.

Ganz anders aber Haff: Er versteht Technik, wie dargestellt, nicht als Konsequenz menschlichen Handelns, sondern sieht die Menschheit als Teil des dynamischen, von ihr gerade nicht zu kontrollierenden Erdsystems der Technosphäre, aus dem sie nicht ausbrechen können und in dessen Dienst sie agieren. Demzufolge sind die Menschen „locked into technospheric feedback loops of performance and provision […], from which position they cannot exit without peril to necessities of existence”.52

Während Haff die Technosphäre primär im zeitlichen Sinn versteht, im Grunde gleichbedeutend mit dem Anthropozän als einer neuen geologischen Epoche, bevorzugen es die meisten Wissenschaftler, die sich das Konzept zu eigen gemacht haben, es in einem räumlichen Sinn zu verwenden, wie es der Begriff der „Sphäre“ nahelegt. So hat sich die Anthropocene Working Group die Aufgabe gestellt, die Masse und Diversität der physikalischen Technosphäre in einer ersten vorläufigen Abschätzung zu quantifizieren. Zu diesem Zweck definiert sie die physikalische Technosphäre als die Gesamtheit des materiellen Outputs aller menschlichen Unternehmungen, bestehend aus ruraler, urbaner, unterirdischer und Aerosphäre. Die Masse der Technosphäre wird auf etwa 30 Billionen Tonnen (Tt) geschätzt; das entspricht rund 50 kg pro Quadratmeter Erde. Die Diversität komplexer technische Objekte, die sich als potentielle Spurenfossilien eignen, wächst rasch. Man geht von 130 Millionen fossilierbaren Arten technischer Objekte aus.53 Damit überträfe die technofossile Diversität auf Basis paläontologischer Kriterien die biologische Diversität bereits an Reichtum.

Grundsätzlich versteht die Arbeitsgruppe die Technosphäre als Subkategorie des Anthropozäns, wobei sich der stratigrafische Untersuchungsgegenstand der materiellen Technosphäre deutlich von demjenigen des Anthropozäns, der Anthropocene Series, unterscheidet. Letztere schließt alle Strata ein, die sich während des Anthropozäns abgelagert haben. Dazu zählen neben anthropogenen auch solche Sedimente, die sich ohne erkennbaren menschlichen Einfluss während der Zeit, die das Anthropozän umfasst, abgelagert haben. Nach traditioneller Klassifikation jedoch sind die offensichtlichsten Teile der physikalischen Technosphäre wie Gebäude oder Motorfahrzeuge nicht Bestandteil der Anthropocene Series. Hingegen zählen Sedimentablagerungen in der Tiefsee, in Schnee oder Eis, die in der Anthropocene Series enthalten sind, aber völlig losgelöst von jeglichem menschlichen Einfluss entstanden sind, nicht zur materiellen Technosphäre. Die Arbeitsgruppe ist der Ansicht, „the physical technosphere provides an alternative prism within which the Anthropocene phenomenon can be considered, that more clearly reflects its dynamic nature than does the chronostratigraphic Anthropocene Series“.54

Grundlegende Kritik an Haffs Ansatz kommt dagegen sowohl aus den Reihen der Naturwissenschaften als auch aus den Sozial- und Geisteswissenschaften. Sie bezieht sich erstens auf die mangelnde Berücksichtigung direkter Wechselwirkungen der Technosphäre mit anderen Systemen und Faktoren. Zweitens, und mehr noch, wird die inhärente Degradierung der Menschheit bemängelt, indem Haff der Technosphäre eine relative Autonomie zuschreibt.55 Interessanterweise werfen hier gerade diejenigen, die befürchten, das Anthropozän-Konzept würde dem grassierenden Anthropozentrismus Vorschub leisten, Haff vor, mit seiner These einer autonomen Technosphäre den Menschen aus dem Fokus zu verlieren.

Eine Forschungsgruppe rund um den Erdsystemwissenschaftler Jonathan Donges bezieht in ihr Verständnis der Technosphäre die makrosoziale Ebene ein und legt den Fokus auf die Koevolution makrosozialer und technischer Strukturen während und in Folge der Großen Beschleunigung. Im Gegensatz zu Haff geht die Gruppe von einer direkten Interaktion von Technosphäre und Gesellschaft aus: Megagesellschaften und Technikkomplexe befinden sich auf einer Ebene, was direkte Wechselwirkungen ermöglicht. Abhängigkeiten laufen nicht zwangsläufig in eine Richtung.56

Mit Interdependenzverhältnissen setzt sich auch eine vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin ins Leben gerufene Online-Publikation auseinander, die sich das Ziel setzt, das Konzept der Technosphäre inter- und transdisziplinär weiterzudenken. Das Technosphere Magazine zielt darauf ab, die verschiedenen Aspekte des Konzepts aus unterschiedlichen Perspektiven zu reflektieren und dabei wissenschaftliche, künstlerische und experimentelle Ansätze zu vereinen. Seine Initiatoren verstehen die Technosphäre als „the defining matrix and main driver behind the ongoing transition of this planet into the new geological epoch of humankind, the Anthropocene“. Sie resultiere aus der Ubiquität menschlicher Kultur und globaler Technologien und verknüpfe Technik und Natur in unauflöslicher Form zu einer Art höherer Ökologie.57

Auch der Anthropologe und Humanökologe Alf Hornborg geht von der enormen gesellschaftlichen Prägekraft von Technik aus und denkt diese jedoch nicht in räumlicher, sondern in zeitlicher Perspektive. Konsequenterweise plädiert er dafür, anstelle des Anthropozäns mit dem Technozän als Epochenbegriff zu operieren.58 Ausgangspunkt seiner Untersuchung bildet die Frage nach dem Sinn, in kartesischen Kategorien zu denken, sowie nach dem Mehrwert, der sich aus einem Wandel in Richtung post-kartesischen Denkens ergäbe. Ein Denken in der Dichotomie von Natur und Kultur führe geradezu zwangsläufig dazu, ausgehend von der Materialität von Technik diese der Natur zugehörig zu klassifizieren.59 Post-kartesische Konzepte, wie etwa die Akteur-Netzwerk-Theorie und der Posthumanismus, lösen den Dualismus von Natur und Kultur bzw. Umwelt und Gesellschaft gänzlich auf. Ohnehin stellt sich durch die rasante anthropogene Überformung der Biosphäre mehr und mehr die Frage, wo „Natur aufhört und Kultur“ beginnt.60 Hornborg favorisiert einen dritten Weg: Trotz der untrennbaren Verbindung von Natur und Kultur bestehe kein Anlass, deren analytische Separierung aufzuheben. Denn „there are social objects and natural subjects“:61 Die scheinbar objektiv operierende Technik hänge von der subjektiv und sozial konstruierten Ökonomie ab. So gelte die These, dass die Kategorien Natur und Gesellschaft obsolet seien, allein für die abstrakten Imaginationen dieser Kategorien als in der Realität voneinander losgelöste Bereiche, nicht aber für deren analytischen Nutzen.

Im Einklang mit der Anthropozän-These von der Zentralität des anthropogenen Einflusses und im Anschluss an die Technikgeschichte und sozialwissenschaftliche Technikforschung steht für Hornborg die Frage nach der sozialen, ökonomischen und eurozentrischen Dimension von Technik im Fokus.

Ganz im Sinne Paul Crutzens setzt er den Beginn des Technozäns mit der industriellen Revolution im späten 18. Jahrhundert an. Die konventionelle Historiografie nehme die Entwicklung ingenieurtechnischen Wissens und die Verwendung fossiler Brennstoffe als maßgebliche Faktoren für die Industrialisierung an und verkenne dabei aber, dass diese von Beginn an auf hoher sozialer Ungleichheit aufbaute und deren Errungenschaften global noch heute sehr ungleich verteilt seien: „This uneven distribution of modern, fossil-fuel technology is in fact a condition for its very existence. […] What we have understood as technological innovation is an index of unequal exchange.“62

Die Störung des biogeochemischen Zyklus der Erde durch massiven Technikeinsatz sei jedoch keineswegs eine bewusste Entscheidung des Wirtschaftsbürgertums gewesen. Vielmehr handelt es sich dabei, in den Worten des Soziologen Daniel Cunha, um ein „product of unconsciousness and objectification“,63 einen von Profitgier angestoßenen Prozess, der zunehmend außer Kontrolle geriet. In der Sicht von Hornborg wie auch Cunha hilft das marxistische Fetischismuskonzept weiter, um ein kritisches Verständnis der Rolle von Technik im Anthropozän zu gewinnen.64 Die Fetischthese des späten Marx, in der er seine Entfremdungsthese weiterentwickelte, schreibt technischen Artefakten autonome Wirkungskraft zu. Im Einklang mit der weitgehenden Gleichsetzung von Anthropozän und Kapitalozän wird das Technozän als „fetishized form of interchange between Man and Nature historically specific to capitalism“ beschrieben.65 Die Menschen unterwerfen sich den Artefakten, die sie selbst erschaffen haben und wälzen so die Verantwortung für Mensch-Umwelt-Beziehungen auf Dinge ab.66

Laut Hornborg ist die Menschheit als kollektive Entität nie als historischer Agent in Erscheinung getreten – auch nicht während der Industrialisierung. Da das Anthropozänkonzept irreführenderweise dazu verleite, die Menschheit als genau diese undifferenzierte, kollektive Entität zu begreifen, favorisiert er das Konzept des Technozäns, um die neue geologische Epoche zu bezeichnen: „To suggest alternative designations such as the ‘Capitalocene’ or ‘Technocene’ is to evoke the very real logic of a blind socioecological system, not the subjective choice of the ruling class.“67

Die Debatten um die Technosphäre und das Technozän zeigen, dass die Analyse technischer Prozesse und deren wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche und kulturelle Wirkungen untrennbar mit ethischen Fragen wie der nach Verantwortung und Gleichheit bzw. Ungleichheit verbunden sind. Normative Perspektiven des Mensch-Technik-Umwelt-Verhältnisses, die in technikhistorischen Arbeiten meist eher implizit verhandelt werden, stehen im Fokus der Debatten um Technosphäre und Technozän. Und beide Konzepte werden ebenso wie das Anthropozän nicht in intradisziplinär festgefahrenen Diskursen erörtert, sondern häufig in inter- und transdisziplinären Settings.

4. Neue Narrative der Technik- und Umweltgeschichte in anthropozäner Perspektive

Nicht von ungefähr wird das Anthropozän in den Geschichtswissenschaften, insbesondere in der Umwelt- und Technikgeschichte, intensiv diskutiert. Wie Stratigrafinnen und Stratigrafen sind Historikerinnen und Historiker als Experten für die Periodisierung der Menschheitsgeschichte von der Anthropozänthese ganz unmittelbar betroffen, denn in den Debatten um den Beginn des Anthropozäns werden letztlich zentrale technikgeschichtliche Fragen verhandelt. Sich in die Diskussion um das Anthropozän als kulturelles Konzept einzumischen, bedeutet nicht weniger als die Herausforderung, etablierte Narrative und Zeitlichkeiten kritisch auf den Prüfstand zu stellen.

Zahlreiche international führende Historiker haben diese konzeptionelle Herausforderung angenommen und erzählen ihre Geschichten im Lichte des Anthropozäns neu. Dipesh Chakrabarty, Vordenker der Postkolonialen Studien, fordert als Konsequenz des menschengemachten Klimawandels nicht weniger als einen „Klimawandel“ auch in den Geschichtswissenschaften. Auch er erachtet die für die Moderne charakteristische Trennung zwischen Natur und Kultur als überholt und plädiert stattdessen dafür, die Geschichte des Menschen und die Geschichte der Natur nicht mehr als voneinander getrennte Kategorien, sondern als integrale Geogeschichte zu begreifen. Da sich im Anthropozän kulturelle, wirtschaftliche, soziale und politische Ordnungen gemeinsam mit natürlichen Ordnungen entwickeln, bedürfe es eines konsequenten Perspektivenwandels, der zu neuen Narrativen führe. Das klassische historische Verständnis hält Chakrabarty für veraltet, denn die Geschichte als Disziplin „exists on the assumption that our past, present, and future are connected by a certain continuity of human experience. We normally envisage the future with the help of the same faculty that allows us to picture the past. […] Thus, our usual historical practices for visualizing times, past and future, times inaccessible to us personally – the exercise of historical understanding – are thrown into a deep contradiction and confusion.“68 Eine jüngst publizierte multidisziplinäre Analyse der Thesen Chakrabartys zeigt auf, wie diese als Ausgangspunkt für neue Erzählungen zum Mensch-Umwelt-Verhältnis genutzt werden können und für die kulturelle Ausdeutung des Anthropozäns von eminenter Bedeutung sind.69

Basierend auf seiner Mitarbeit in der Anthropozän-Arbeitsgruppe entfaltet der Umwelthistoriker John R. McNeill mit Peter Engelke als Ko-Autor seine Globalgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg als Narrativ des Anthropozäns im Zeichen der Großen Beschleunigung.70 Dabei nimmt er in erster Linie die Nutzung der Kernenergie, Kohlendioxid- und Schwefeldioxidemissionen, Süßwassernutzung und Bewässerung, den Einsatz von Düngemitteln sowie die Freisetzung toxischer Chemikalien in den Blick, um nur einige Indikatoren für die Umweltveränderungen seit der Großen Beschleunigung zu nennen. Den Geologinnen und Geologen, die einen eindeutigen golden spike benötigen, schlägt er vor, in den 1940er und 1950er Jahren geborene Säugetiere zu untersuchen. Aufgrund der in dieser Zeit beginnenden Atomwaffentests ließe sich in deren Zähnen und Knochen zum ersten Mal in der Geschichte auf menschliche Technik zurückgehende Radioaktivität nachweisen. Das Teststoppabkommen von 1963 ließ diese Radionuklid-Signatur dann wieder schwächer werden. Einige dieser Knochen und Zähne könnten Bestandteil einer Sedimentschicht werden, welche die Zeit um die Mitte des 20. Jahrhunderts von all dem unterscheidet, was vorher war und danach kam.

Der Globalhistoriker Paul Dukes wiederum wählt eine andere Zeitlichkeit. Seine Geschichte der letzten 250 Jahre umfasst die Ära des Anthropozäns, die er mit dem Ende des Siebenjährigen Kriegs (1763) und der durch die Weiterentwicklung der Dampfmaschine durch James Watt (1764) beförderten Industriellen Revolution beginnen lässt. Im Anthropozän hat sich der Mensch dank seiner wissenschaftlich-technischen Kreativität in die Erde eingeschrieben. Dukes versteht seine Erzählung als eine pandisziplinäre Antwort auf die andauernde Krise, die zeigt, dass „after aeons of the development of planet Earth, we have created the mess in no more than two centuries“.71 Das Anthropozänkonzept präsentiert sich für ihn als einzigartiges Instrument, um geologische Zeit mit historischer Zeit zu verknüpfen und den Fokus gleichzeitig auf „major advances in the natural sciences and their applications” zu richten.72 Auf die vergleichsweise junge Vergangenheit beschränkt, lässt sich das Konzept des Anthropozäns besonders gut mit seinem Bestreben vereinbaren, Umweltveränderungen zu erzählen, die aus der wissenschaftlichen Kreativität und technischen Erfindungsgabe der Menschheit seit dem Beginn der Industrialisierung resultieren.

Ein instruktives Beispiel, welche analytische und narrative Kraft von der Anthropozän-Hypothese ausgehen kann, bietet die brillante Studie des Technik- und Umwelthistorikers Gregory T. Cushman über den aus den Exkrementen des Guano-Tölpels gewonnenen, äußerst phosphatreichen Naturdünger Guano. Cushman beleuchtet die dramatischen globalhistorischen Folgen, die aus der Ausbeutung der Guano-Vorräte auf vor der Pazifikküste Perus gelegenen Inseln seit den 1840er Jahren resultierten. Schreibt man Geschichte aus der Perspektive dieses Stoffs, der die Welt tiefgreifend verändert hat, so spricht vieles dafür, das Anthropozän um die Mitte des 19. Jahrhunderts beginnen zu lassen. In den Worten von Cushman: „Nitrogen compounds have turned the Andean legend of El Dorado into reality, down to the nitrogen-based cyanide now used to leash gold from its ore.“ Und er verlängert die historischen Kontinuitätslinien solcher Stoffe in die ferne Zukunft hinein. „Our waste nitrogen phosphate is likely to leave a mark that will last until our planet died in the red blazing fire of our aging sun.“73

Nicht von ungefähr sind Studien, die auf den rasant wachsenden Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie fossile Energieträger oder Mineralien im Verlauf der Industrialisierung fokussieren, besonders deutlich von der Anthropozänthese inspiriert. Ressourcen waren – und sind – das Schmiermittel industrialisierter Gesellschaften in der Ära des Kapitalismus. Ihre wachsende Nutzung lässt sich ebenso quantitativ vermessen und qualitativ bewerten wie ihre Umweltauswirkungen. Cushmann hat den Verbrauch wichtiger Rohstoffe wie Phosphor von 1830 bis 1913 analysiert und schlägt auf der Basis des von ihm ermittelten Ressourcenverbrauchs vor, „that industrial civilization’s unprecedented exploitation of the lithosphere in the decades leading up to 1913 as part of the Second Industrial Revolution should become our primary marker for the onset of the Anthropocene“.74 Nicht die zweite Beschleunigung in den 1950er Jahren, sondern diese erste Beschleunigung sei die eigentlich markante Zäsur auf dem Weg in das Anthropozän, das er deshalb auch mit den alternativen Begriffen „Plantationocene“ oder „Eurocene“ belegt.75

Die jüngere Technikgeschichte hat erhebliche Anstrengungen unternommen, das tief in die Geschichte der Industrialisierung eingeschriebene Fortschrittsnarrativ kritisch zu reflektieren. Insbesondere die zahlreichen Arbeiten, die an der Schnittlinie von Technik-, Wissens- und Umweltgeschichte argumentieren, haben zu einem differenzierten Bild der Transformation von Umwelt und Gesellschaft als Folge der Industrialisierung beigetragen.76 Aus post- industrieller Perspektive stellt sich dabei u.a. die Herausforderung des kulturellen Umgangs mit dem überkommenen industriekulturellen Erbe, der so genannten kulturalisierten Industrielandschaft oder auch Industrienatur, wie wir sie in Deutschland etwa im Ruhrgebiet, im Saarland und in der sächsischen Lausitz vorfinden. Inspiriert durch die kulturelle Anthropozändebatte hat jüngst eine Forschungsgruppe am Deutschen Bergbau-Museum vorgeschlagen, den tendenziell entfunktionalisierten Begriff der Industrienatur durch „Landschaft des Anthropozäns“ zu ersetzen. Ein solche anthropozäne Narrativierung ermögliche „eine konzeptionelle Integration post-industrieller Landschaftselemente, die konstitutiv für kulturalistische Industrielandschaften sind“; sie wirke als Korrektiv für die in den Praktiken der Industriekultur vielfach anzutreffende Enthistorisierung industrieller Stätten und ermögliche es stattdessen, die tiefen Folgen industrieller Landschaftsnutzung zu beleuchten.77

Nicht nur die Geschichtswissenschaften stoßen bei dem Versuch, sich der Thematik adäquat zu nähern, an die Grenzen ihrer Disziplin. Auch die Geowissenschaften sehen sich damit konfrontiert, von ihrer klassischen Vorgehensweise abzurücken und eine ihrer eigenen Methodologie fremde Perspektive zu integrieren. Die Frage nach dem golden spike für das Anthropozän zwingt die Stratigrafen, sich vorzustellen, wie geologische Schichten in einer fernen Zukunft aussehen und welche künftigen Fossilien überdauern werden, um den Beginn der Epoche des Anthropozäns zu dokumentieren. Als besondere Schwierigkeit entpuppt sich hierbei, dass die „idea of the Anthropocene fossilises an idea of responsibility in the stratigraphy from which it is hard to return“.78

Man muss jedoch nicht diese sehr ferne Zukunft der Erde im Blick haben, und auch nicht den fast 14 Milliarden Jahre zurückliegenden Urknall als dem Anfang von allem, wie dies Vertreter der „Big History“ propagieren,79 um die durch die Anthropozändebatte eröffnete Perspektive zu erkennen, unterschiedlich Zeitskalen miteinander zu verknüpfen. Das Anthropozänkonzept ermöglicht es, geologische Zeit und historische Zeit zu neuen Narrativen zu verknüpfen, die auf neuen Zeitlichkeiten basieren.80 Erdgeschichte und Menschengeschichte verlaufen nicht mehr unabhängig voneinander, sondern verbinden sich zu einer integrierten Geo-Geschichte. Die Menschheit gestaltet die Erde und wird ihrerseits durch geologische Signaturen geprägt, an die wiederum der Mensch Hand angelegt hat. Diese doppelte Wechselwirkung und das damit einhergehende Verwischen der Grenzen zwischen Natur und Kultur werden zum Signum des Anthropozäns, das unterschiedliche Zeitskalen miteinander verschränkt. Es verbindet die lange, bis hinter die Neolithische Revolution zurückreichende Periode menschlicher Eingriffe in die Erde mit der Gegenwart des ‚langen Jetzt‘ und der daraus erwachsenden Verantwortung für die Zukunft. Mit dem Hinweis darauf, dass die Geologie aus den Geisteswissenschaften heraus entstanden ist, formuliert der Anthropologe Bronislaw Szerszynski ein Paradox. Die strikte Trennung und scheinbare Unvereinbarkeit von historischer und geologischer Zeit stelle nur ein weiteres gedankliches Konstrukt dar, das ebenfalls mit der kategorialen Trennung von Natur und Kultur in der Moderne einhergeht.81 Zwar schmälert das nicht die Herausforderung und Leistung des Anthropozäns, diese beiden Zeitdimensionen wieder zusammenzubringen. Die Machbarkeit dieser Zusammenführung rückt jedoch in greifbarere Nähe.

Das von dem kalifornischen Utopisten Steward Brand und seiner Long Now Foundation ins Leben gerufene Projekt des Baus einer Uhr (Clock of the Long Now), die unabhängig von menschlichen Eingriffen über 10.000 und mehr Jahre hinweg laufen können soll, verweist eindrucksvoll auf die geradezu dialektische Konstellation, dass die Menschheit Verantwortung für die in eine schier endlos ferne Zukunft hineinreichenden Folgen ihres Handelns zu übernehmen hat, ohne zu wissen, wie sie dieser Verantwortung gerecht werden kann.82 Deutlich wird diese Dialektik etwa im deutschen Standortauswahlgesetz (StandAG) für ein Endlager für radioaktiven Abfall, das vorschreibt, für eine Million Jahre Sicherheit für Atommüll zu schaffen. Dieser verzweifelte, an Hybris grenzende Versuch lässt erahnen, dass es sich bei hochradioaktivem Abfall um eine Substanz handelt, die nicht wir beherrschen, „sondern die uns Menschen – solange es uns in den kommenden eine Million Jahren noch gibt – beherrschen wird“, kommentiert der Jurist Jens Kersten.83

Die Probleme der nuklearen Abfallwirtschaft verdeutlichen luzide, dass die Temporalitäten des Anthropozäns weit über Erfahrungen, Verständnis und Vorstellungskraft des Menschen hinausgehen. Clive Hamilton, Christophe Bonneuil und François Gemenne mutmaßen, dass wir offensichtlich die Kontrolle über die Natur übernommen haben und zum Hauptfaktor für ihre Veränderung geworden sind, wobei wir jedoch wenig dafür geeignet, ja vielleicht sogar unfähig, sind, eine Welt unter dem Einfluss dieser Veränderung zu regeln.84 Dieses bemerkenswerte Paradox des Anthropozäns fordert dazu auf, die Praktiken der globalen Regierungspraxis, oder besser die Regierungsverantwortung für den Planeten, zu überdenken.

5. Die Provokation des Anthropozäns – technikhistorische Antworten

Trotz der hohen Dynamik der aktuellen Debatte um das Menschenzeitalter wird es wohl noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis das Anthropozänkonzept sein provokatives Potential voll entfaltet haben wird, um nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften neue Forschungsfragen zu stimulieren und neue Narrative zu entwickeln. Schon heute aber ist das Anthropozän ein Feld für bemerkenswerte Kooperationen über das weite akademische Spektrum hinweg geworden. Geowissenschaftler diskutieren mit Historikern, Erdsystemforscher mit Anthropologen und Theologen, und sie alle sehen sich mit einem breiten medialen und öffentlichen Interesse am Zeitalter des Menschen konfrontiert. Damit ist bereits viel gewonnen. Denn kaum etwas braucht unsere Gesellschaft dringender als den tradierte Grenzen überschreitenden Dialog über die Verantwortung des Menschen für die Erde in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Der Technikgeschichte bietet sich die gleichsam ‚natürliche‘ Chance, in diesem Dialog eine inter- und trans-disziplinäre Scharnierrolle zu übernehmen, ihre etablierten Narrative kritisch zu überprüfen und auf der Basis der neuen Fragen und der neuen Zeitlichkeiten des Anthropozäns neue Geschichten zu erzählen. Fünf Reaktionsfelder der Technikgeschichte auf die Provokation des Anthropozäns und damit verbundene Herausforderungen sollen abschließend nochmals akzentuiert werden:

Erstens fällt die dominante Rolle der Technik im Anthropozändiskurs auf. Die konzeptionellen Ideen der Technosphäre als eine eigenständige Sphäre neben Atmosphäre, Lithosphäre oder Hydrosphäre und des Technozäns als von menschlicher Technik geprägter Epoche, die mit der Industrialisierung begonnen hat, stellen Technik in ihr Zentrum. Wie gezeigt, zirkulieren sowohl die geologische als auch die kulturwissenschaftliche und öffentliche Anthropozändebatten um Fragen nach der Rolle und Bedeutung von Technik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In diesen Debatten bleibt freilich häufig bemerkenswert unbestimmt, welcher Technikbegriff den Diskursen jeweils zugrunde liegt. Das Technosphäre-Konzept etwa ist von einer dominant materiellen Technikvorstellung geprägt und blendet damit weite Teile einer soziotechnisch verstandenen ‚Technosphäre‘ aus, wie sie die Technikgeschichte und die sozialwissenschaftliche Technikforschung konzipieren würden.

Zweitens zeitigt die Technikgeschichte vielfach auf den Feldern innovative Ergebnisse, in denen sie in enger Verbindung mit Schwesterndisziplinen wie Umwelt- und Wissensgeschichte agiert, wie Dolly Jørgensen jüngst hervorgehoben hat. Um ihr epistemologisches Potential voll auszuschöpfen, fordert Jørgensen die Technikgeschichte zugleich aber auf, ihr Technikverständnis auszuweiten. In Übereinstimmung mit der Akteur-Netzwerk-Theorie und neo-materialistischen Ansätzen umfasst ihr Technikbegriff nicht nur materielle Artefakte, sondern auch Tiere und Pflanzen, und komplementär dazu versteht sie Technik als integralen Teil des Ökosystems.85 Die Anthropozändebatte legt nahe, noch einen konzeptionellen und methodologischen Schritt weiterzugehen und im Sinne der vielbeschworenen großen Interdisziplinarität die Kooperation mit den Geowissenschaften zu suchen. Und in der Tat, um die lange Geschichte des Menschen als einem geo-, bio- und erdsystemischen Faktor konzeptionell und narrativ fassen zu können, gilt es, die (inter)disziplinäre Perspektive der Technikgeschichte weiter zu öffnen. Konsequent in diese Richtung weist etwa das von Wissenschafts-, Technik- und Umwelthistorikerinnen und -historikern gemeinsam mit Geo- und Erdsystemforscherinnen und -forschern betriebene Verbundprojekt IHOPE, das sich das programmatische Ziel gesetzt hat, eine integrierte Geschichte und Zukunft der Menschheit auf der Erde zu konzeptionalisieren.86

Die Verknüpfung von Human- und Geogeschichte konfrontiert, drittens, die Geschichtswissenschaften im Allgemeinen und die Technikgeschichte im Besonderen mit der Herausforderung, sich von überkommenen linearen Temporalitäten zu lösen. Anstatt historischen Wandel auf der horizontalen Ebene zu erzählen, gilt es dann, sowohl nicht-lineare Narrative zu entwickeln, was vielfach bereits überzeugend demonstriert worden ist, als auch, Geschichte auf der vertikalen Ebene zu verorten. Während Stratigrafen die Erdgeschichte in vertikaler Richtung lesen, indem sie geologische Schichten analysieren, um neben Zeiteinheiten kontinuierlichen Wandels disruptive Phasen planetaren Dimension zu identifizieren, sind die Geschichtswissenschaften gehalten, Schichtenmodelle historischer Temporalität zu konzeptionalisieren. Die florierende Forschung zu Memorialkulturen und zum kollektiven Gedächtnis hat neue Wege in diese Richtung gewiesen.

Die Debatte um das Anthropozän legt es, viertens, nahe, Technikgeschichte nicht nur in zeitlicher, sondern auch in räumlicher Dimension zu erweitern. Die Globalgeschichte hat der Technikgeschichte Wege gewiesen, in Überwindung nationaler und europäischer Engführung Prozesse transnationaler Verflechtungen zu analysieren, die insbesondere auch durch die Zirkulation technischer Artefakte und technischen Wissens geprägt wurden.87 Während die Globalgeschichte in der „Flughöhe der Adler“ operiert, legt es das Anthropozänkonzept nahe, noch höher zu steigen, um eine planetare Perspektive einnehmen zu können.88 Die Satelliten- und Weltraumtechnik hat in erheblichem Maße zur Erweiterung der räumlichen Dimension beigetragen und erstmals eine detailgetreue Visualisierung der planetaren Perspektive ermöglicht. Die neue Perspektive hat nicht nur eine Erweiterung des Wissensspektrums ermöglicht, sondern sie dient auch als Impulsgeber, die Frage nach der Rolle von Technik in räumlicher Dimension auf einer weiteren Ebene zu denken. Bronislaw Szerszynski etwa nimmt in seinen Überlegungen zu Exo-Technosphären eine interplanetare Perspektive ein.89 Für Jeremy Davies geht diese Perspektivenerweiterung mit der zentralen Aufgabe einher, die „power relations between geophysical actors, both human and nonhuman“, in ihren Verschränkungen zu analysieren.90 Freilich gilt auch hier das Diktum Jürgen Osterhammels, den weiten Überblick und dennoch auch „die Details am Boden fest im Auge“ zu behalten.

Die Debatte um ein „gutes Anthropozän“ hat, fünftens, luzide gezeigt, dass Fragen nach der Rolle des Menschen als geologischer Faktor unabdingbar normativ geprägt sind. Es gehört zu den methodisch-theoretischen Grundannahmen, dass jede Historiografie a priori gegenwartsorientiert ist, so auch jede Geschichte in anthropozäner Perspektive. Anthropozän-Narrative sind freilich nicht nur gegenwartsgeprägt, sondern zukunftsgeleitet. Sie verbinden eine lange Geschichte der Gegenwart mit teils impliziten, teils expliziten, in jedem Fall aber hochgradig normativen Annahmen, auch und gerade in Bezug auf die Frage, welche Rolle welchen Technologien für die Lösung in der Gegenwart identifizierter und in die Zukunft projizierter Probleme planetarer Dimension zugeschrieben wird. Die normativen Dimensionen der Anthropozändebatte, wie sie in den Konzepten der Technosphäre und des Technozän zum Ausdruck kommen, multidimensional freizulegen und an historische Diskurse über Technik zurückzubinden, eröffnet der Technikgeschichte ebenso spannende wie vielversprechende Perspektiven.

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1

Crutzen/Stoermer, Anthropocene; Teile dieses Aufsatzes beruhen auf Trischler, Anthropocene, Trischler, Anthropozän in technikhistorischer Perspektive sowie Trischler/Will, Technosphere.

2

Crutzen, Geology.

3

U. a. von Schwägerl, Konzept, S. 128; vgl. Steffen, Commentary, S. 486.

4

Autin/Holbrock, Anthropocene.

5

Vgl. u. a. Toivanen, Anthropocenes, und Davies, Birth, S. 41-68.

6

Vgl. u. a. Haraway, Anthropocene; Head, Contingencies; Moore, Anthropocene.

7

Bonneuil/Fressoz, Shock.

8

Siehe im Detail Schwägerl, Konzept, S. 128-129; Mauelshagen, Divide, S. 82-95.

9

Vgl. Markl, Natur, S. 319-324.

10

Lewis/Maslin, Anthropocene.

11

Warde u. a., Stratigraphy, S. 5; vgl. auch Finney/Edwards, Anthropocene, S. 8.

12

Water u. a., Anthropocene.

13

Vgl. Head/Gibbard, Subdivision.

14

Vgl. Gibbard/Walker, Term; Finney/Edwards, Anthropocene.

15

Finney/Edwards, Anthropocene, 4. In einer exzellenten Replik weisen Paul Warde, Libby Robin und Sverker Sörlin nach, dass in der Geschichte der Geologie zentrale Konzepte und Fragen häufig an der Schnittlinie zu Politik und Gesellschaft verhandelt wurden; Warde u. a., Stratigraphy, S. 3.

16

Vgl. u. a. Kersten, Anthropozän-Konzept; Haber u. a., Ökologie; Szerszynski, Anthropocene; Deane-Drummond u. a., Religion.

17

Latour, Agency, S. 17.

18

Vgl. Manemann, Kritik; LeCain, Anthropocene. Eine vehemente Widerlegung dieser Kritik liefert Schwägerl, Neurogeology.

19

Vgl. Malm/Hornborg, Geology, S. 62-64.

20

Zu einer historisch-anthropologischen Perspektive der Technikgeschichte vergleiche den Beitrag von Martina Heßler in diesem Band.

21

Heise, Posthumanismus, S. 40. Ähnlich die Anthropologin Anna Lowenhaupt Tsing, die ihre Geschichte des Matsutake-Pilzes als anthropozänes Beziehungsgeflecht mit einer luziden Kapitalismuskritik verbindet; Tsing, Pilz.

22

Asafu-Adjaye u. a., Manifesto, S. 6.

23

Vgl. Wengenroth, Technik, S. 32, 132, 237 u. ö.

24

Vgl. Hänseroth, Technischer Fortschritt; siehe auch Fraunholz/Wölfel, Ingenieure.

25

Vgl. Scott, Seeing.

26

U. a. Latour, Monsters; Latour, Agency; Hamilton, Theodicy; Hourdequin, Ethics.

27

Crutzen, Albedo.

28

Vgl. Shellenberger/Nordhaus, Death; Nordhaus/Shellenberger, Break Through.

29

Lovering u. a., Construction, S. 371.

30

Ellis u.a., Scientists, S. 193.

31

Vgl. Schwägerl, Menschenzeit.

32

Vgl. Möllers u. a., Anthropozän; Renn/Scherer, Anthropozän; Robin u. a., Galleries; Robin u. a., Anthropocene.

33

Vgl. Davis/Turpin, Architecture; Turpin, Art.

34

Vgl. Bristow, Anthropocene; Falb, Anthropozän; Clark, Ecocriticism; Bayer/Seel, Majestät.

35

Siehe zum Folgenden Trischler, Anthropocene, Trischler, Geologie; Trischler, Anthropozän in technikhistorischer Perspektive; Trischler, Jahren; vgl. Ruddiman, Anthropogenic; Ruddiman, Anthropocene.

36

Vgl. Petit u. a., History.

37

Ruddiman, Anthropocene, S. 65.

38

Vgl. Crutzen, Geology; Steffen u. a., Anthropocene.

39

Vgl. Mokyr, Economy.

40

Vgl. Brimblecomb, Smoke; Uekötter, Rauchplage.

41

Vgl. Petit u. a., History; Bonneuil/Fressoz, Shock.

42

Vgl. Steffen u. a., Change; Steffen u. a., Boundaries.

43

Vgl. Zalasiewicz u. a., Working Group, S. 58.

44

Vgl. zu Technik und Temporalitäten den Beitrag von Heike Weber in diesem Band.

45

Vgl. Haff, Humans; Haff, Human.

46

Vgl. Ellul, Society; Winner, Technology.

48

Einen Überblick bietet LeCain, Anthropocene.

49

Haff, Humans, S. 127.

50

Die sechs Regeln sind: inaccessibility, impotence, leadership and control, reciprocity, performance sowie provision. Da die Reziprozitäts-Regel diejenigen der inacessibility und impotence impliziert, sind nur vier Regeln besonders relevant; Haff, Humans, S. 130-135.

51

Der Begriff provisional agency bezieht sich auf die Wirkungsweise der Technosphäre, die sich aus der Regel der Bereitstellung ergibt. Die Technosphäre muss eine Umgebung bereitstellen, die es allen Systemteilen, darunter auch den Menschen ermöglicht, ihre unterstützende Funktion zu erfüllen. Nur dann kann sie selbst funktionieren. Da die Technosphäre allerdings auch von bestimmten Ressourcen und damit einer funktionierenden/gesunden Umwelt abhängt, diese aber angesichts der Prognosen des Anthropozäns nicht mehr bzw. zeitnah nicht mehr gewährleistet ist, wird sie möglicherweise bald nicht mehr in der Lage sein, eine adäquate Umgebung für die sie unterstützenden Systemteile bereitzustellen; Haff, Humans, S. 105.

52

Haff, Human, S. 108.

53

Zahlen nach Zalasiewicz u. a., Scale.

54

Ebd. S. 18.

55

Vgl. Lorimer, Anthropo-scene; Donges u. a., Technosphere; LeCain, Anthropocene; Edwards, Knowledge; Szerszynski, Technosphere.

56

Vgl. Donges u. a., Technosphere.

57

Editorial, https://technosphere-magazine.hkw.de/about (1.02.18). Für einen Versuch, die Technosphäreidee technikhistorisch produktiv in neue Narrative zu übersetzen s.a. Möllers u.a., New Machine.

58

Vgl. Hornborg, Anthropocene, S. 9.

59

Ebd.; Hornborg, Technology as Fetish.

60

Vgl. Descola/Sahlins, Nature.

61

Vgl. Hornborg, Fetishistic, S. 93.

62

Hornborg, Ecology, S. 60.

63

Cunha, Geology, S. 263.

64

Vgl. Malm/Hornborg, Fetishism; Cunha, Anthropocene. In der Zeitschrift The Anthropocene Review finden sich mehrere Artikel von den Humanökologen Andreas Malm und Alf Hornborg einerseits und Daniel Cunha andererseits, die direkt aufeinander Bezug nehmen. Darin diskutieren sie in erster Linie die Frage nach der Verantwortlichkeit bestimmter Akteursgruppen im Anthropozän und teilen die Einschätzung von der ungebrochen hohen Erklärungskraft des Marxsche Fetischismuskonzepts.

65

Cunha, Anthropocene, S. 65.

66

Vgl. Hornborg, Ecology; vgl. auch Soriano, Anthropocene.

67

Malm/Hornborg, Fetishism, S. 206.

68

Chakrabarty, Climate, S. 198-199.

69

Vgl. Emmett/Lekan, Anthropocene; ähnlich jüngst Davis, S. 48-62.

70

Vgl. McNeill/Engelke, Anthropocene; McNeill/Engelke, Acceleration.

71

Dukes, History, S. 5.

72

Dsukes, Minutes, S. 4-5.

73

Cushman, Guano, S. 346.

74

Cushman, Phosphorus.

75

Vgl. Emmett/Nye, Humanities, S. 98, die instruktiv das Potential des Anthropozäns für die boomenden Environmental Humanities ausleuchten (S. 93-116).

76

Aus der Fülle der Literatur exemplarisch Uekötter, Umweltgeschichte; Radkau, Technik; Blackbourn, Conquest.

77

Vgl. Golombek/Meyer, Erbe, S. 210.

78

Warde u. a., Stratigraphy, S. 250.

79

Programmatisch hier v. a. Christian, Maps; vgl. auch das von Bill Gates unterstützte Big History Project https://school.bighistoryproject.com/bhplive (17.1.18) sowie Dukes, History.

80

Vgl. Trischler, Anthropocene; Trischler, Anthropozän; Robin, Future.

81

Vgl. Szerszynski, Anthropocene, S. 116.

82

Vgl. http://longnow.org/ (17.1.18).

83

Vgl. Kersten, Million, S. 285.

84

Vgl. Hamilton u.a., Anthropocene, S. 10.

85

Vgl. Jørgensen, Hands.

86

Vgl. Costanza u.a. 2007; Robin/Steffen, History; Costanza u.a., 2012. Aus IHOPE ist u.a. hervorgegangen Robin u.a., Future.

87

Vgl. den Beitrag von Ute Hasenöhrl in diesem Band.

88

Vgl. Osterhammel, Flughöhe.

89

Vgl. Szerszynski, Viewing.

90

Davies, Birth, S. 62; im Original kursiv gedruckt.

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